Männer Sex Islamistan

hier geht es um wissenschaftliche Arbeiten zu mann-männlicher Erotik und Sexualität in islamisch geprägten Kulturen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Sunday, July 27, 2025

Sabine Schmidtke groundbreaking

Nov 200 erschien in Die Welt des Islams (N.S. vol 40, Issue 3 pp. 375-411) ein langer Artikel von Sabine Schmidtke, die das Feld der mann-männlichen Sexualität bereitete: Die westliche Kon­struktion Marokkos
als Landschaft freier Homoerotik.
Ich habe mich damals über den verrückten Titel und die vielen sprach­lichen Dopplungen aufgeregt.
Heute will ich drei Abschnitte auf­machen:
den wesentlichen Inhalt des Artikels,
Stellen, die ich für falsch halte,
Ausdrücke, die ich für schief halte.


der wesentlichen Inhalt des Artikels
Die 35 Seiten bieten einen Überblick über orientalistische und unwissen­schaftlicher Dar­stellung mann-männ­licher Sexualität, von Alfred von Kremer und Adam Mez, über Josef van Ess, Ulrich Marzoph, Franz Rosenthal, Bruce Dune, Everett K. Rowson, Rainer Nabielek bis zu Homo-Zeitschrif­ten.
Abhandlungen, in denen es eher um Erotik geht als um Sex, wie H.Ritter: Meer der Seele bleiben außen vor.
Thomas Bauer und Fré­déric Lagrange kommen noch nicht vor.
Viele Namen werden genannt: A. Vartanian, Ali Behdad, Antje Harnisch, Derek Hopwood, Guy Turbet-Delof, James Cleugh, Allen Edwardes, Jakob Ludwig Salomo Bartholdy, Ferdinand Karsch-Haack, Ludwig Frey, Serge Talbot, Paul Mantegazza, Vern L. Bullough, Minoo S. Southgate, Norman Daniel, John Boswell, Rudi C. Bleys, Richard Francis Burton, Marjorie Garber, Marjorie Garber Josef Hammer-Purgstall, Friedrich Veit, Rainer Nabielek, Edward William Lane, Paul Näcke, Johann Christoph Bürgel, Theo Stemmer, A. Amin, Jeffrey Meyers Marshall G.S. Hodgson, Ingeborg Baldauf,

Stellen, die ich für falsch halte
Gleich am Anfang beruft sich Schmidtke auf Ed. Said, der Orientalismus "geprägt" habe. Ich halte Said für einen Aufschneider, halte es mit Ṣādiq Ǧalāl al-ʿAẓm.
Den Begriff gab es schon vor Said (für die Wissenschaft, dt. Orientalistik, und ein Malerei-Genre, frz. l'orientalism)
1692 „Orientalist“, Gelehrter, Kenner orienta­lischer Sprachen belegt
1769 Holdsworth, On Virgil, p. 265: There are frequent instances of the very same orientalism in Homer
1769 Herder, Journal meiner Reise..., p. 230: Hier will ich noch die »Lettres Turques« von Saintfoix lesen und überhaupt sehen wie dieser Geist den Orientalismus behandelt!
1811 erstmals das englische "Orientalism" für profundes Wissen über den Orient
In Frankreich erst ab 1830; der Complément du dic­tionaire de l'Academie von 1842 bringt drei Bedeu­tungen:
1.) das Wissen, die Philosophie, die Sitten der Orientalen
2.) die Theorie, daß das zivilisatorische Licht aus dem Orient kommt
3.) das Wissen über die Orientalen, insb. deren Sprachen
Später kommt hinzu:
4.) Eigenthümlichkeit(en) der Orienta­len
Schließlich bezeichnet das Wort in den meisten europäischen Sprache:
5.) Imitation von Orientalischem, Übernahme von Orientalismen (Bedeutung 4) = Türkenmode, Chinoiserien

und das was es bei Said sein soll, sagt er nicht wirklich = er definiert es nicht, sondern umkreist es, was ‒ in meinen Augen ‒ das Gegenteil von Wissenschaft ist.

N.B.: Der selbsternantew Adoptivsohn Joseph Massad, macht es auch so. Er ist stolz darauf, dass er "liberalism" nicht definiert, sondern umkreist.
In meine Augen ist Massad verrückt: was er über die aus Indien kommenden Arier oder die Asch­kenasim, die keine Nachkommen der Hebräer seien, sondern Konveriten,
und die europäischen Christen, die anders als Said und er, nicht wirk­lich Christen sondern "späte Konveriten" seien,
und die Hebräer, die gar nicht Hebräisch gesprochen hätten, sondern Aramäisch, schreibt, ist abgefahren. Dass er sowas denkt, ist eines, dass er es wieder­holt zum Besten gibt, ist außer­irdisch.

Die Begriffe „Homosexualität” und „Heterosexualität” gehen zurück auf Karl Maria [Benkert] Kertbeny, der diese erstmals in einem Brief vom 6. Mai 1868 an Karl Heinrich Ulrichs gebrauchte.
Das kann man zwar öfters lesen, stimmt aber nicht.
Ob der Brief an Ulrichs abgeschickt wurde, wissen wir nicht. Manfred Herzer hat in Budapest den Brief-Entwurf entdeckt und er ‒ und später auch die Ungar. National­bibliothek ‒ haben diesen veröffentlicht,
und darin kommen die beiden schmidtke'schen Substantive nicht vor; es kommen ledig­lich vier Adjektive vor, u.a. homosexual und hetero­sexual.
"Gehen zurück auf" ist richtig; "im Brief gebrauchte" ist falsch. Und durchgesetzt hat sich das Begriffspaar gegen Inversion, Uranismus, Drittes Geschlecht, konträre Sexualempfindung, Zwischenstufen, Seelisches Zwittertum, Freundschaftsliebe, griechische Liebe erst binnen der nächsten 50 Jahre!

Schmidtke schreibt: Im Mittelpunkt der Präsentation des Orients stand darum über Jahr­hunderte immer wieder die exotisch anmutende Institution des Harems, der gerade aufgrund seiner Verschlossenheit die erotischen Phantasien zahlloser Reisender, Schrift­steller und Künstler angeregt hat und als litera­rischer Topos als Allegorie des Orients insgesamt herhalten mußte.
Die Fußnote hierzu ist typisch für die Arbeit ins­gesamt: Die pauschal (d.h. ohne Angabe der einschlägi­gen Seiten) angeführten "Belege" belegen gerade nicht ihre Behauptung, und die Artikel, die eher in ihre Richtung gehen, fehlen. In den angege­benen Artikeln von Behadad und Harnsch finde ich sogar das Gegenteil: der Harem als Allegorie für Kriti­sierens­wertes in der eigenen Gesellschaft. Eher in S.S.'s Richtung geht: Neil Macmaster, "Orientalism: From unveiling to hyperveiling" in Journal of European Studies. 28, no. 1-2, (1998): pp. 121ff.; darin wird nicht der Harem sondern der Komplex Schleier/ḥarem/ḥammām ins Zentrum gerückt. Befremd­licher­weise hängt S.S. fünf Stellen an, die gar nichts mit dem Harem als Allegorie zu tun haben, sondern mit Tribadie im Harem. Bezeichnender­weise macht S.S, sogar auf ur­eigenem Terrain Fehler: Bullough behandelt Harems­tribadie nicht „S. 231-32“, sondern nur in zwei nichts­sagenden Sätzlein auf S. 231. In den Noten fehlt eine wichtige Arbeit, die sowohl Said wie S.S. zurechtrückt, vielleicht nur, weil sie S.S. noch nicht bekannt war: Lisa Lowe: Rereadings in Orientalism: Oriental Inventions and Inventions of the Orient in Montesquieu's Lettres Persanes in Cultural Critique. no. 15, (Spring 1990). pp. 115-144
Schmidtke schreibt:
Ganz anders stellen sich die kulturellen Vorstellungen des Abendlandes zu Sexualität und Geschlechts­identifi­kation dar. Kenn­zeichnend für diesen Raum ist die strenge Mann-Frau Dichotomie. Die jeweilige Zugehörigkeit zu einem der beiden Geschlechter ist in diesem strikten Zwei­geschlechtlichkeits­modell allein biologisch deter­miniert; die körper­lichen Merkmale eines Menschen bestimmen unzweideutig seine Geschlechts­identität. Hierdurch ist auch die Geschlechter­rolle eines Menschen vorgegeben. Die Symmetrie des dicho­tomischen Modells verlangt, daß sich das Begehren eines biologi­schen Geschlechts notwendig auf das jeweils Andere richtet. Weichen biologisches Geschlecht und sozio­kulturelles Verhalten hingegen voneinander ab, so wird dies als Anomalie, als Störung des gesamten Modells wahr­genommen.
Als Quelle gibt sie Gisela Bleib­treu-Ehren­berg an, wo ich dergleichen nicht finden kann. Ich empfehle die Lektüre von Heinz-Jürgen Voß: Das differenzierte Geschlechter­verständnis der Antike: Da geht es erstmal, darum, dass die alten Griechen und Römer das so sahen wie die Araber, und dass man bei uns erst in der Aufklärung anfingt es so zu sehen wie es laut Schmidtke "im Abendland" ist.
Tanger zur Hauptenklave homosexuellen Begehrens europäischer und nordamerikanischer Provinienz in Nordafrika
Helmut Blazek: Rosa Zeiten für rosa Liebe: Geschichte der Homosexualität erscheint bei S.S.
nur als Blazek, Rosa Zeiten ‒ zum Blück gibt es das www.

Schmidtke hat "Damonisierung" statt "Bessen­heit" analog zu "Verteuflung" statt "besessen vom Teufel"
falsch ‒ aber nicht eigen für Schmidtke ‒ ist die kategorisiertung von Burtons Theorie der Sotadischen Zone als "klima­theoretisch", ist Unsinn: ganz Amerika von Alaska bis Feuerland gehört zu dieser Zone. Ich glaub nicht, dass dieses Gebiet ein Klima hat.


Verhalten
Verhaltensweisen
Verhaltensformen
Verhaltensmuster
Praktiken
Sexualverkehr
Sexualhandlungen
Sexualpraktiken
Geschlechtsakte
homoerotische Lebensäußerung
Verkehr
Geschlechtsverkehr
Analverkehr
Beziehungen
Handlungen
Praktiken


Lawrence of Arabia wurde nicht von türkischen Soldaten gefickt, wie Schmidtke schreibt, sondern ‒ laut den Sieben Säulen der Weisheit ‒ vom Gouverneur von Derāʿ


Ausdrücke, die ich für schief halte
Es geht gar nicht um die westliche Konstruktion,
sondern nur um die textliche: Filme, Musik, Photos, Plakate, Postkarten, Zeitschrifgten (inkl. Anzeigen) fehlen.
Es geht fast nur um Gewalt und Prostitution, nicht um freie Erotik.
Den anderen Sinn den "frei HomoSexualität/Erotik" im 1980 hatte, nämlich in in hauptamtlichen Homosexuellen verdinglichte, eingesperrte HomoS/E sondern frei schwebende, in allen menschen ausgelebte, der kommt auch nicht vor bei S.S.
Es geht auch nicht wirklich um HomoSexSexualität, sondern nur um zwischenmännliche. Warum einen zu weiten Begriff, wenn man ihn gar nicht abhandelt?
Ich sehe keine Landschaft, kann mir nicht vorstellen, was sich Autorin dabei gedacht hat.
Es gibt viel Unnötiges, Aufgebähtes. Gleich in den ersten Sätzen:
ausgeprägter Sinnlichkeit und Wollust ... Ort sinnlicher Wollust
über Jahrhunderte immer wieder

der Begehrenswertheit
wie wäre es mit "der Vorteile"? oder: Wer besser ist?

Manches kommt immer im Verbund:
immanenter Bestandteil
Und es gibt Häufungen:
nicht nur Abendland und abendländisch, sondern auch Abendländer (das sind die Bewohner des katholisch+protestantischen Okzients)
• Orientalism is teaching, researching, administrating and pronouncing upon the Orient in certain discrete ways. (p. 202)
• Orientalism is a style of thought based upon an ontological and epistemological distinction between ‚Orient‘ and ‚Occident‘ (p. 2)
• Orientalism is a Western style for dominating, restructuring and having authority over the Orient (p. 2)
• the essence of Orientalism is the ineradicable distinction between Western superiority and Oriental inferiority (p. 42)
• Orientalism is a discourse whose purpose is not to elucidate but to silence the Orient
• the Orientalist, poet or scholar, makes the Orient speak (p. 21 und p. 5)
• the Orientalist renders its mysteries plain for and to the West. (p. 22)
• Orientalism is a political subject matter and a field that is reflected by culture, scholarship and institutions (p. 12)
• Orientalism depends more on the West than on the Orient
• Orientalism is a strategic formation
• Orientalism was a system of truth. It is therefore correct that every European, in what he could say about the Orient, was consequently a racist, an imperialist, and almost totally ethnocentric (p. 204)
• Orientalism domesticated Oriental knowledge to the West, filtering it through regulatory codes, classifications, specimen cases ... dictionaries, editions, translations (p. 166)
• Orientalism organized itself systematically as the acquisition of Oriental material and regulated dissemination as a form of spezialized knowledge. One copied and printed works of grammar, one acquired original texts, one multiplied their number and diffused them widely, even dispensed knowledge in periodic form. (p. 165) How vicious!
• Orientalism expresses and represents the Orient culturally and even ideologically as a mode of discourse with supporting institutions, vocabulary, scholarship, imagery, doctrines, even colonial bureau­cracies and colonial styles
• Orientalists have accepted the basic distinction between East and West
• Orientalism as I study it deals principally, not with a correspondence between Orientalism and Orient, but with the internal consistency of Orientalism and its ideas about the Orient
• Orientalism was able to manage – even to produce – the Orient
• Orientalism is a long tradition, a way of coming to terms with the Orient as the Other - from Homer to Kissinger
• Orientalism ist ein akademisch-kolonia­listisch-literarischer Komplex zur Beherrschung des Orient – etwa 1750 bis 1950
• the Orientalist is never concerned with the Orient except as the first cause of what he says
• Orientalism controlled any statement made about the Orient even beyond the field – hier hat das Wort, die bis dahin übliche Bedeutung. Deshalb auch: The most readily accepted designation for Orientalism is an academic one.

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Friday, July 25, 2025

Rasse und andere Boxen/Container

Linke glauben nicht, dass es Menschenrassen gibt.
(Dass heute Erweckte/Woke People glauben, dass es Schwarze als unterdrückte Opfergruppe gibt, die man für erlittenes Unrecht privilegieren müsse, hat angeblich nicht mit Rasse zu tun, die hießen nur Schwarz (Blacks with Capital B), weil sie von Weißen dazugemacht wurden, sie seien keine Rasse, aber rassiert, als Rasse gelesen ...)
Zweifler glauben nicht, dass es Gleichgeschlecht­lich­keit gibt.
1910, als Engländer, Schotten und Schweden zusammen die Mehr­heit der Einwohner der USA stellten, galten nur sie (plus Holländer, Norweger, protestan­tische Deutsche) als "weiß". Katholische Iren, Italierer, Spanier, Griechen und Juden galten als "schwarz" ‒ was damals nicht mit "negro" zusammen­geworfen wurde.
Selbst, wenn man nicht davon ausgeht, dass die "weiße Rasse" fest­stehende (gute) Eigenschaften hat, wenn man nur annimmt, dass es sich um eine *brauch­bare* Kate­gorie handelt, in die man bestimmte Menschen "für statisti­sche Zwecke" steckt, muss es einen doch zum Grübeln bringen, wenn die Grenzen, die "man" in den USA anwendete, sich ständig verschoben haben.
Sebastian sagt: Selbst wenn Du (also ich) sagst, "Gleich­geschlecht­lichkeit" entspricht gar keiner wohl definierten Sache, dann gibt es doch Millionen von Menschen, die sich selbst als "Gleichgeschlechtliche" definieren und von anderen dafür gehalten werden", dann wende ich ein:
1. gibt es Millionen von Menschen, die man ca. 1980 dazurechnete, die aber heute *politisch korrekt* nicht mehr dazuzählt: die Knaben­lieb­haber (wie Harmann und Bartsch)
2. gibt es Millionen von Schwulen, die mit Lesben nicht in einen Topf geworfen werden wollen und Millionen von Lesben, die mit Schwanzträgern gleich welcher Sorte nicht ver­mengt werden wollen
3. Millionen von Latein­amerikaner, Arabern, Süd­spaniern, Türken, Prols, die Schwanz­träger ficken und sich von Schwanz­trägern einen blasen lassen, deswegen aber überhaupt nicht mit diesen in die gleiche Kategorie gesteckt werden wollen. Wobei es neuerdings durchaus süd­ländische Gefickte und Bläser gibt, die einerseits an dem grund­legenden, ent­scheiden­den Unter­schied festhalten, daneben aber auch etwas Gemeinsames zwischen diesen Menschen beanspruchen.

Die Frage ist: Wenn man sagt, jemand sei "ein Schwarzer", jemand sei "ein Homosexueller", hat man dann etwas benannte, was alle "Schwarze" und nur diese, was alle "Homosexuelle" und nur diese haben, und wichtiger: Hat man damit etwas Wesentliches über den einen bzw. den anderen gesagt?

Dazu gehören alle, die dazu gezählt werden bzw. die sich selbst dazu zählen.
Es gibt sexuelle Akte zwischen männlichen Menschen, es gibt Liebes­beziehungen zwischen männlichen Menschen, es gibt sado-masochistische Beziehungen männ­licher Menschen, es gibt sexuelle Hörigkeit zwischen männ­lichen Menschen, es gibt lust­vollen Sex zwischen männlichen Menschen, es gibt Menschen, die sich als auf-Männliche-Gerichte betrachten ‒ aber auch solche, die sich nur auf Jung­männer-Gerichte, nur auf Weiß­häutige-Gerichtete, nur auf Behaarte-Gerichtete, nur auf Ficker-Gerichtete, vor allem auf Bläser- und Sich-Ficken-Las­sende-Gerichtete betrachten.
Wenn ich bestreite, dass es "Gleich­geschlecht­lich­keit" gibt, heißt das gerade nicht, dass ich all die ver­schie­denen gleich­geschlechtlich-geschlecht­lichen Phänomene bestreite, sondern nur, dass sie gleich­artig wären. Ich betrachte sie in ihrer Viel­gestaltig­keit. Ich bestreite, dass es sich um ein grund­legend Gegebenes handelt, was sich ver­schieden aus­gestaltet. Vielmehr sehe ich ein Viel­falt von Phänomenen, die man unter einem Aspekt zusammen­fassen kann. Es wird problematisch, wenn ich einen "Homo­sexuellen" kenne, und dann unkritisch annehme, dass ein bestimmter anderer "Homosexueller" ähnlich fühlt, sich ähnlich benimmt, ähnliches tut. Es gibt weder eine Négritude, die Essenz des Schwarzer-Seines, noch eine Gleich­geschlechtlichkeit.
Doch wenn ich sage, dass es weder eine gehalt­volle Definition gibt,
noch eine KLARE Grenze zwischen Schwarzen und Nicht-Schwarzen,
noch eine KLARE Grenze zwischen Gleich­geschlecht­lichen und UnGleich­geschlecht­lichen,
dann sage ich ja nicht, dass es sich um VÖLLIG WILL­KÜRLICHR Abgrenzungen handle.
Wenn man sich darüber klar ist, dass es Container-Begriffe sind, Boxen, in die jemand viele ver­schiedene Menschen gesteckt hat, wenn man die Mitglieder der Bezeich­neten­mengen nicht homo­genisiert, dann habe ich nicht viel dagegen, genauer: Ich komme nicht ganz drumrum ‒ trotz aller Fehler­möglich­keiten.
Es ist schlicht nicht wahr, dass wenn ich weiß, wie eine französische Tunte auf ein Lied, einen Mann, einen Film reagiert (oder richtiger: wenn ich mir einbilde, es zu wissen),
dass dann auch weiß, wie ein nicara­guesischer Cochones-Ficker oder ein usebekischer Tanzknabe regiert.
Ich weiß nichts über die Mitlieder der Bezeich­neten-Menge, außer dem Kritirium, nach dem ich Menschen reingesteckt habe.

MÄNNER-LIEBE, überhaupt GLEICH-Geschlechtlichkeit gibt es nur in Gesellschaften, in denen Frauen grund­sätzlich gleich­gestellt sind. Verkürzt gesagt: Keine Homo-Ehe ohne BischöfINnen!
Der Container "Homosexualität" verstellt die Tatsache, dass es in Lateinamerika, Arabien, Türkei und Iran keine GLEICH-Geschlecht­lichkeit gibt.
Natürlich kann man Steinwüste, Sandwüste und Eiswüste als "Wüste" bezeichnen,
oder Knabenliebe, Arsch­ficken, Tribadie und MännerLIEBE "HomoSexualität".
Aber dann kommt so was dabei heraus wie Kuchus in der Wilhelm­straße. Da geht ein Syrer hin, der von sich sagt, er sei "Negativ", brauche einen Mann, und man gibt ihm Kondome und die Adresse von Dark-Rooms, wo er sich ficken lassen solle.
Er will aber nicht anonymen Sex,
er will einen Mann bekochen, beputzten, benähen,
er will seinen Bauch raus­strecken und ihm sagen: "ich bekomme deinen Jungen".
In seiner Welt gibt es ‒ wie bei Ullrichs 1860 ‒ keinen Sex zwischen Männern,
sondern etwas zwischen Kerl und Weib; dass das Weib
einen Schwanz hat, ist in seinen Augen Nebensache.
Am liebsten wäre er die Zweit-Frau eines richtigen Mannes.
Aber in der Schwulenberatung in der Wilhelmstraße weiß man das nicht,
da praktiziert man schwule Internationale.
Dass der Psychologe des LSVD kein Arabisch kann, dass der Übersetzer (ein Marokkaner) kein Syrisch kann und auch kein Amerikanisch (die Muttersprache des Psychologen), ist Nebensache.

"Homosexualität" gibt es sowenig, wie "den Afrikaner". Was haben Koi-San und Buren, Berber und Igbo, Somali und Bidhan, Mbuti und Ägypter, Nuba und Nubier, Twa und Zulu gemein ‒ außer Menschen zu sein, die in Afrika leben?
(Ob die Kanaren, Madagaska oder der Sinai dazu gehören, können wir außen vor lassen.)
Genausowenig haben Alkibiades, Jonathan, Elagabal, Thomas Mann, Gore Vidal, Jean Genet, Charlotte von Malzdorf und Wowereit gemein. Frau-Frau-lichkeit und Mann-Mann-lichkeit haben so viel miteinander zutun wie Sand-, Stein- und Eis-Wüste.
"Homosexualtät" stört mich nicht, weil es halb griechisch und halb lateinisch ist, sondern weil unklar ist, ob es dabei um Homo-Sexualtät (Geschlechtliches zwischen Gleichen)
oder HomoSex-ualität geht (Irgendwas zwischen Leuten gleichen Geschlechts). Oder geht es um HomoSex-Sexualität?
Ich jedenfalls habe mann-männliche Erotik und Sexualität in Orient und Okzident untersucht.
Und da fällt auf, dass nicht nur Leder-Kerl und Fummel-Tunte anders sind, sondern auch 17-jährige Marokkaner, die sich einen Jungen aus einer armen Familie herauspicken und jeden Donnerstag ficken, anders als der Familienvater, der einem Studenten einen Job in seiner Ver­waltung besorgt, so dass der eine kleine Wohnung mieten kann, wo er ihn fickt, der ägyptische Touristen­führer, der alle blonden, rundlichen Touristen anmacht, anders als der Verkäufer, der immer wenn ihm ein Kerl gefällt, ein bisschen höher und tuntiger spricht, so klar macht, dass er bereit ist.
Doch obwohl es im Westen hundert Arten "schwul" zu sein gibt und hundert Arten in Arabien/der Türkei und Iran Sex mit Jungen, Jugendlichen oder Männern zu haben, gibt es einen gewichtigen Unterschied zwischen der hegemonischen Art schwul zu sein und den typischen Formen von mann-männlichen Beziehungen im Nahen Osten. Und dies hat kaum etwas mit dem Islam zu tun.
Man kommt der Sache näher, wenn man sich klar macht, dass es Arabien und Lateinamerika, die Türkei und Griechenland, Tunesien und Sizilien nicht groß unterscheiden und, dass sich vor 350 Jahren auch Nordwesteuropa gemäß dem Mittelmeermodell lebten.

having fun romantically partnering being committed
take/being taken care of



Ines Weinrich, Dr., Universität Bamberg, Arabistik und Islamkunde
Homosexualität
Der Verurteilung von H. im islam. Recht steht eine reiche literar. Tradition homoerot. Anspielungen gegenüber. Dabei wird jedoch nahezu ausschließlich die männliche Homoerotik thematisiert, und das auch nur innerhalb eines bestimmten Rahmens. In einem hierarchisch strukturierten Konzept von Sexualität wird dem „männlich aktiven“ Part ungleich mehr Wert beigemessen als dem „weiblich passiven“. Wichtig bei der mehr oder weniger öffentlich angebahnten H. wie z. B. in der sogenannten „Knaben­liebe“ ist das Prinzip der Ungleichheit; die soziale Rolle außerhalb der Sexualität bestimmt auch die sexuelle Rolle. Temporäre H. kann, sofern die männliche Rolle erhalten bleibt oder eine Gegen­leistung erfolgt, toleriert werden, während das Bekenntnis zur fortdauernden homosexuellen Neigung vielerorts als Krank­heit wahrgenommen wird. Aufgrund der religiös-normativ abgesicherten familien­zentrierten sozialen Struktur existieren homo­sexuelle Subkulturen oder eine organisierte Bewegung in islamischen Gesellschaften höchstens marginal und informell. In den Strafgesetzen fast aller mehrheitlich muslim. Staaten werden homo­sexuelle Handlungen als abnorme sexuelle Vergehen angesehen und im allgemeinen analog zu Unzucht (zinâ), d. h. sexuellen Beziehungen außerhalb des rechtlich sanktionier­ten Rahmens, behandelt. Enge Körper­kontakte, Händchen­halten oder Küsse zwischen Angehörigen des gleichen Geschlechts in der Öffentlich­keit, von Ausländern oft fälschlicherweise als Zeichen homo­sexueller Neigungen interpretiert, sind dagegen allgemein üblich und eher das Resultat einer Geschlechter­trennung, bei der ein enger Kontakt zum eigenen Geschlecht selbst­verständ­lich wird, während das andere Geschlecht fremd bleibt. Frauen haben sich aufgrund stärkerer sozialer Restriktionen selten über Sexualität öffentlich geäußert und daher kaum Zeugnisse hinterlassen. Dies sowie männliche Phantasien und Vorstellungen, die Furcht vor weiblicher Sexualität und der verstellte Blick europäischer Reisender auf die oriental. Frau machen es schwierig, die wenigen Angaben zu weiblicher Homoerotik in den histor. Quellen im Hinblick auf die soziale Realität zu interpretieren. In den letzten Jahren ist die Szene sichtbarer geworden, zumindest in Weblogs, Ratgeberforen u. ä. Aber auch in moderner Literatur oder in der Popkultur ist das Thema männliche und weibliche H. zunehmend präsent. Gleich­zeitig hat es einige spektakuläre Verhaftungen mit dem Vorwurf der H. gegeben.
Literatur: Pellat, C./Schmitt, A.: Liwât by Charles Pellat. Anonymously published in The Encyclopaedia of Islam, annotated by Arno Schmitt, in: Schmitt, A./Sofer, Jehoeda (Hg.): Sexuality & Eroticism Among Males in Muslim Societies, 1995. – Rzehak, L.: Ungleichheit in der Gleichheit: Materialien zu männlich-männlicher Erotik in iranischsprachigen Kulturen Mittelasiens, in: Ofitsch, M. (Hg.): Eros, Liebe und Zuneigung in der Indogermanie, 1997. – Whitaker, B.: Unspeakable Love. Gay and Lesbian Life in the Middle East, 2006.
Autor/Autorinnen: Ines Weinrich, Dr., Universität Bamberg, Arabistik und Islamkunde
Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 5., aktualisierte und erweiterte Auflage 2008. Sex, den Männliche miteinander haben, ist nicht überall und zu allen Zeiten gleich. Schwule waren weder für das London des 16. Jhds typisch, noch sind sie es in Arabien, Persien oder Afghanistan -- nicht mal in Beirut, Kairo und Istanbul. Geschlechterverhältnisse sind nicht hauptsächlich durch Islam und Christentum geformt. Die Gesellschaften der Frühen Neuzeit sind wie die "Mittelmeer­gesellschaft" Süditaliens, Lateinamerikas, Nordafrikas und Vorderasien stärker durch Rang­ordnungen gekenn­zeichnet. In Nordwest­europa wirkt das Ideal der Gleichheit, besonders auch der Gleichheit von Mann und Frau. In der alten Gesellschaft spielten Muskelkraft sowie die Vertei­digungs­bereit­schaft der Männer der Familie, des Klans (manchmal einer Zunft, eines Viertels, einer Glaubens­gemein­schaft) eine größere Rolle. Maschinenkraft, staatl. Gewaltmonopol, Rechtssicherheit und der Wert des Einzelnen (Individua­lität) haben dies entwertet. Universalisierte Verlässlichkeit, Vertrauen, Gewissen verdrängen partikulare Ehre, Respekt, Scham. Thomas Mann schreibt am 24. November 1950 in sein Tagebuch: “Las abends weiter in „The City and the Pillar'. Interessantes, ja wichtiges menschliches Dokument von ausgezeichneter und belehrender Wahr­haftig­keit. Das Sexuelle, die Affären mit den diversen Herren mir eben doch unbegreiflich. Wie kann man mit Herren schlafen.“ Not long ago I received a telephone call from the biographer of Thomas Mann. Did I know, he asked, the profound effect that my book had had on Mann? I made some joke to the effect that at least toward the end of his life he may have learned how to spell my name. "But he didn't read the book until 1950, and as he read it he commented on it in his diaries. They've just been published in Germany. Get them." Now I have read, with some amazement, of the effect that Mann's twenty-one-year-old admirer had on what was then a seventy-five-year-old world master, situated by war in California. Wednesday 22, XI, 50 ... Began to read the homo-erotic novel "The City and the Pillar" by Vidal. The day at the cabin by the river and the love-play scene between Jim and Bob was quite brilliant.--Stopped reading late. Very warm night. Thursday 23, XI, 50 ... Continued "City and Pillar." Friday 24, XI, 50 ... In the evening continued reading "The City and the Pillar." Interesting, yes. An important human document, of excellent and enlightening truthfulness. The sexual, the affairs with the various men, is still incomprehensible to us. How can one sleep with men--[Mann uses the word Herren, which means not "men" but "gentlemen." Is This Mann being satiric? A rhetorical question affecting shock?]. Saturday evening 25, XI, 50 ... in May 1943, I took out the Felix Krull papers only to touch them fleetingly and then turn to Faustus. An effort to start again must be made, if only to keep me occupied, to have a task in hand. I have nothing else, no ideas for stories; no subject for a novel.... Will it be possible to start [Felix Krull] again? Is there enough of the world and are there enough people, is there enough knowledge available? The homosexual novel interests me not least because of the experience of the world and of travel that it offers. Has my isolation picked up enough experience of human beings, enough for a social-satirical novel? Sunday 26, XI, 50 Busy with [the Krull] papers, confusing. Read more of Vidal's novel Wednesday 29, XI, 50 ... The Krull papers (on imprisonment). Always doubts. Ask myself whether this music determined by a "yearning theme" is appropriate to my years.... Finished Vidal's novel, moved, although a lot is faulty and unpleasant. For example, that Jim takes Bob into a Fairy Bar in New York. I am pleased that Mann did not find the ending "melodramatic," but then what theme is more melodramatically "yearning" than Liebestod? In any case, the young novelist who took what seemed to everyone the wrong road at Trivium is now saluted in his own old age by the writer whom he had, in a certain sense, modeled himself on. As for Mann's surprise at how men could sleep with one another, he is writing a private diary, the most public act any German master can ever do, and though he often refers to his own "inversion" and his passions for this or that youth, he seems not to go on, like me, to Thebes but to take (with many a backward look) the high road to Delphi, and I am duly astonished and pleased that, as he read me, he was inspired--motivated--whatever verb--to return to his most youthful and enchanting work, Felix Krull. Some of my short stories are almost as lighthearted as Thomas Mann in his last work. One of them, "The Ladies in the Library," is an unconscious variation on Death in Venice. Three variations on a theme: Mann's Hans Castorp; then my own, Jim Willard; then a further lighter, more allegro version of Jim in the guise of a character whom he appropriately called Felix--the Latin for "happy." ‒ ­

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Abdellah Taïa (*1973) 12 Romane « tellement gay »

ʿAbd Allāh aṭ-Ṭāyaʿ(8.8. 1973, Salé/ سلا / ⵙⵍⴰ) hat nach den Erzählungen Mon Maroc, 2000 zwischen 2004 und 2024 zwölf Romane veröffentlicht, die alle um ihn kreisen, das vorletzte von neun Kindern: nach dem großen Bruder, sechs Schwestern, vor dem Jüngsten.
In den ersten heißt der Protagonist Abdellah, später kann er Ahmed oder Youssef heißen, manchmal taucht ein Freund/Kamerad, eine Tunte als alter ego auf. Es geht immer um ihn,

doch anders als Eyet-Chébkir Djaziri, der in seinen ersten beiden Romanen ziemlich geradlinig seine Tagebücher von damals verarbeitet, Un poisson sur la balançoire (1997)
und Une promesse de douleur et de sang (1998)
ist bei A.T. alles Literatur ‒ kein schlichtes Abbild des realen Lebens.
Die Romane spiegeln seine Realität, aber nicht 1 zu 1.
Manchmal widerspricht er sich auch.
In einem Roman will er zwar gefickt werden, ist aber mit 13 noch "Jungfrau",
in einem anderen wird er von Kindheit an gefickt: von Freunden und von der Straße und hört mit 13 auf, sich ficken zu lassen, wofür er aufhört, arschwankelnd durch Viertel zu streifen.
Wer A.T. kennt, weiß, dass er gar nicht "wie ein Mann" gehen konnte.
In Wirklichkeit, hat er sich die Kerle vor allem dadurch vom Leib gehalten, dass er täglich in die Moschee ging und sie wüst als Schlappschwänze, Kleinschwänze, als Versager bei den Frauen und Schlechtficker beschimpfte.
Von einem Roman bekomme ich den Eindruck, dass er den Sex alles im Allen genoss, auch wenn er ihm oft aufgezwungen war, dass er es genoss, die Herren zu befriedigen, dass er ein geiles Opfer war, dass das Gefickt-Werden nicht das Problem war, sondern die öffentliche Entehrung, wenn sie im Suff nach ihm bzw. seinem Arsch riefen,
und niemand ‒ nicht der große Bruder, nicht der Vater, nicht der Boss = die Mutter und ‒ wie er es heute sieht ‒ auch nicht die Schwestern ihn beschützten.
In einem Roman ist er zwischen 13 und 17, wenn er sich endlich einem Schweizer auf dem Friedhof am Meer hingibt, keusch,
nach einem anderen hat er auch dann Sex ‒ wenn auch nicht mehr täglich in der Nachbarschaft.
Nach eigener Ausgabe war er, als er nach Europa kam, unpolitisch;
in späteren Romanen ist die Armut nicht mehr natürlich, sondern die Folge der Bereichung des Regimes, der französich-sprechenden Oberschicht.
Und während es in den frühen Romanen halt so ist, dass Tunten/zmīla gefickt werden (die Fickbarkeit ist neben den tuntigen Gesten ihr Charakteristikum),
ist das in den späten Romanen ein Verbrechen, und den Opfern läuft das Blut bis auf die Zehen, und sie werden gleich wieder gefickt, bevor sich das Loch erholen kann.
Ich habe den Eindruck (!) dass der späte, französisierte Abdellah Missbrauch sieht, wo der frisch in Paris angekommene die natürliche Folge des sexuellen Hungers sah.

Sicher, nicht bloss ein Eindruck ist es, dass der späte Abdellah die Wörter nicht richtig versteht.
Ich räume ein, dass auch viele Experten es nicht richtig hinbekommen:
liwāṭ und ʾubnah sind nicht spiegelbildlich (Ficken und Geficktwerden), sondern unterschiedlicher Art:
das eine ist ein (evtl. einmaliges, aktuelles) Tun, das andere ist ein (ständiges) Begehren,
Ficken und Geficktwerden wollen,
während faʿil und mafʿūl bihi spiegelbildlich sind ‒ naiyik und manyūk in Syrisch (?).
Nebenbei: ʾubnah, ḥulāq und biġāʾ sind nicht genau gleich:
ʾubnah ist das krankhafte Verlangen, gefickt zu werden,
ḥulāq ist ein erotisches Jucken am After, das bewirkt, dass man gefickt werden will, um den Juckreiz zu befriedigen,
biġāʾ ist nicht so präsize, es meint Verlangen, Begehren, Wollen, bedeutet HEUTE meist Prostitution, im Mittelalter das Verlangen gefickt zu werden.
Übrigens für die meisten Orientalen pute, šarmūṭa شرموطة , zonaזונה nicht das Bezahlt werden, sondern es mit-Vielen-Tun (in der Annahme: mit-Vielen-Gern-Tun) im Zentrum.
Das wichtigste Wort in Marokko ist zāmel, pl. zmīla (auch zwaimel); es bezeichnet den effeminierten (jungen) Mann, die fickbare Tunte; zentral ist Weibischkeit; das Geficktwerden ist "nur" eine Folge davon. In den frühen Romanen macht A.T. eine Unterscheidung zwischen "so wie Du und ich" und "den Anderen" ‒ wobei Mädchen und Frauen außen vor bleiben. In den letzten Romane gibt es daneben die Unterscheidung zwischen homo- und hetero­sexuell.
Es tauchen auch gay, pédé und miṯlī auch. Dass da Einiges nicht stimmt, zeigt sein "tellement gay" (Bastion des larmes, chap 5): sooooooooooooooo/dermaßen schwul ‒ das geht gar nicht: Während gay-straight, homo-hetero entweder-oders sind, es kein über-schwul gibt, gibt es das sehrwohl bei Tuntigkeit, Weibischkeit, zumālah: man kann wenig, voll, gar über-tuntig sein.
D.h. A.T. benutzt das lingua franca Wort "gay" (nicht gai) in der Bedeutung von "zāmel".
Das eine ist binär, das andere graduel.
Gewiss Marokko 2020 ist nicht identisch mit Marokko 1980: heute gibt es Teenager beider Geschlechter und eines Geschlechts die "miteinander ficken",
aber A.T. macht derlei Fehler auch in Kapiteln, die in der Vergangeheit spielen.
Er unterscheidet nicht sauber zwischen "efféminé" und "gay".
Natürlich ist er nicht der Einzige. Um 1980 habe ich einen Professor an der NYU gehört, der gay sagte, aber faggot meinte, gewiss eine faggot (oder positiv: fairy) kann gay sein, aber die beiden gleichzusetzen, ist ‒ in meinen Augen ‒ des Teufels.

Die "Dummheit" Abdellahs geht weiter: Er sagt, dass das Gesetz die Homosexuellen verdamme, obwohl es im Gesetz nur um Akte geht.
Ich weiß, man sagt, dass ein Homosexuelle diese Akte "begehen" müsse. (Wirklich?).
Ich sehe auch eine Brücke zwischen zāmel und pédé: beide sind sie "männerliebend" ‒ wenn man von der Tuntigkeit absieht, wenn man ignoriert, dass der zāmel auch ohne seine Zustimmung gefickt wird, dann bleibt sein Begehren; und ‒ in der Tat ‒ dieses Begehren macht ihn zu einem "Homosexuellen"; Abdellahs Gleichsetzung ist also nicht ganz falsch, jedoch das Begehren des zāmels ist kein gegenseitiges wie bei Schwulen, sondern eines von einem Mann rangenommen zu werden.

ҫa se fait, ҫa ne se dit pas
Die beiden ʿAbdellah ‒ ʿOubaida geb. 1970 in Rabaṭ und aṭ-Ṭaʿia geb. 1973 in Salé ‒ geben einen Einblick in die pädophile Welt Marokkos.
ʿAbd Allāh aṭ-Ṭāyaʿ (ʿAṬ) schreibt mir, Effeminierte gebe es überall und sie würden überall gleich schlecht behandelt.
Was für ein Unsinn.
Warum sind denn so viele europ. Pädophile in Marokko.
ʿAṬ stellt in Artikel, Reden, Appellen, Gesprächen groß heraus, dass er zwischen 10 und 13 täglich vergewaltigt wurde.
Doch in seinen frühen Romanen schwiegt er dazu.
Ich habe den Eindruck, dass es ganz anders ist als die Vergewaltigungen von Gegnern. Da geht es um Erniedrigung, auch um Schmerz. Seinen Peinigern ging es um Triebabfuhr, ums Rauslassen. Sie wollten ihn ja gern wiederficken. Schon deshalb wollten sie ihm nicht wehtun. Sie glaubten wirklich, redeten sich ein, dass das ihm entspreche. Es war eine Zwangs-Zärtlichkeit ‒ erst viele Jahre später zeichnetet es A.T. als Gewalt.
Nicht mal die GEWALT, das Nicht-Darum-Gefragt-Werden, das Überrumpeltwerden war für ihn das Schlimme, nicht der Schmerz, sondern dass sie es publik machten, dass sie (im Suff, also nicht mal mit klarer, schlechter Absicht) PUBLIK machten. In der gleichen Phase lässt er sich von wenig älteren Freunden, älteren Verwandten ficken. Ob er den Sex genießt? Jedenfalls genießt er es, dass er sie befriedigt, dass sie ihn begehren, dass er weiß, wie er sie befriedigt.
Vielleicht bewegt er sich nicht nur tuntig, vielleicht schminken ihn seine Schwestern im stillen Kämmerlein (während die Mutter auf dem Markt ist). Von ihren drei Zimmern bewohnt der Vater eines, der große Bruder eines, seine Mutter, sechs Schwestern, er und der kleine Bruder das dritte.

Ganz anders ʿAʿOubaida/Rachid O.: keine Mutter, ein wohlhabender liebevoller Vater. Ein Großvater und ein Freund des Vaters kitzeln ihn, streicheln ihn, tollen mit ihm im Bett rum.
Mit seinem Grundschullehrer hat er eine Beziehung. Keine Gewalt, nur Nähe, Zärtlichkeit, Begehren. Dann jahrelang eine Beziehung mit einem frz. Cooperant mit zwei Kindern.
Beide sind schön, weibisch, ʿAʿOubaida mit Babyspeck, ʿAṬ spindeldürr überweibisch. Beide werden begehrt. ʿAʿOubaida hat Rückhalt beim Vater, hat Sicherheit, kann Nein sagen. ʿAṬ wird weder vom Vater, dem großen Bruder, den sechs Schwestern, noch vom Familienoberhaupt, der Mutter, geschützt. Als er mit 17 einen franz. Beschützer bekommt, ist das seine einzige Chance. Mit beiden ʿAbellahs wird Sex gemacht, bevor sie abspritzen können. Dass ʿAʿOubaida einmal in der Kinotoilette in eine Kabine gezerrt wird, wo der 22jährige ihn an sich presst, während er sich eine runterholt, traumatisiert ihn zwar, aber er verschweigt es uns erst, zeichnet ein zauberhaften, glückliches Bild. ʿAṬ verschweigt uns die Einzelheiten, wohl weil es ihm peinlich ist, dass es nicht nur weh tat. Und weil das ihn-nicht-Verteidigen seiner Familie, der unmittelbaren Nachbarn ihm schwerwiegender erscheint, ihm mehr weh tat, als das lustgetriebene Vergewaltigen. Er lässt uns aber wissen, dass er lieber als "Abdellah" begehrt worden wäre als als "Laila" lieber wegen seines geilen Arsches, als wegen eines Mösen-Loches.

ʿAṬ: Mon Maroc, récit, Séguier, 2000
Le Rouge du tarbouche, roman, Séguier, 2004
L'Armée du salut, roman, Seuil, 2006
Maroc 1900-1960, un certain regard, avec Frédéric Mitterrand, Actes Sud, 2007
Une mélancolie arabe, roman, Seuil, 2008
  Lettres à un jeune marocain, recueil de lettres, Seuil, 2009
  ‘L’Homosexualité expliquée à ma mère’, TelQuel 367.2009, pp. 20–7.
  ‘Le retour du maréchal Lyautey’, Actuel 47 (2010), p. 51.
Le Jour du roi, roman, Seuil, 2010 – prix de Flore
Infidèles, roman, Seuil, 2012
  Taïa, Abdellah+Jason Napoli Brooks, ‘An Interview with Abdellah Taïa’, Asymptote (July 2012). http://www.asymptotejournal.com/interview/an-interview-with-abdellah-taia/
  ‘A Boy to Be Sacrificed’, Edward Gauvin (tr.) The New York Times (24 March 2012) http://www.nytimes.com/2012/03/25/opinion/sunday/a-boy-to-be-sacrificed.html
Un pays pour mourir, roman, Seuil, 2015
  Taïa, Abdellah, ‘Personal interview with Abdellah Taïa’, in Aarhus, Denmark (8 March 2016). Interview by Tina Dransfeldt Christensen
Celui qui est digne d'être aimé , roman, Seuil, 2017
  Taïa, Abdellah+ Aaron Hicklin, ‘Why Abdellah Taia Had to Die in Order to Live’, out.com (26 January 2010)
  http://www.out.com/entertainment/2010/01/26/why-abdellah-taia-had-die-order-live
  Taïa, Abdellah + Brian Whitaker, ‘Interview with Abdellah Taia’, al-bab.com (January 2009). http://al-bab.com/interview-abdellah-taia
  Taïa, Abdellah+ Youssef Roudaby, ‘Dans son nouveau roman “Celui qui est digne d’être aimé”, Abdellah Taïa fait le bilan d’une vie tourmentée’, 2m.ma (17 January 2017)
  https://www.2m.ma/fr/culture/20170117-dans-son-nouveau-roman-celui-qui-est-digne-detre-aime-abdellah-taia-fait-le-bilan-dune-vie-tourmentee/
La Vie lente, roman, Seuil, 2019, 270 pages, (ISBN 978-2-02-142183-5)[11],[12],[13] Mention spéciale du jury - Prix du roman gay 2019
  Taïa, Abdellah, ‘Ma chère mère, on ne voyait pas à sa juste mesure ton combat de femme’, RTBF La Première (14 December 2019)
  https://www.rtbf.be/lapremiere/article/detail_abdellah-taia-ma-chere-mere-on-ne-voyait-pas-a-sa-juste-mesure-ton-combat-de-femme?id=10388649
Vivre à ta lumière, roman, Seuil, 2022
Le bastion des larmes, roman Juillard 2024

Rachid O.
L'Enfant ébloui, Gallimard, 1995[9]
Plusieurs vies, Gallimard, 1996
Chocolat chaud, Gallimard, 1998
Ce qui reste, Gallimard, 2003
Analphabètes, Gallimard, 2013



Am 22. 8. 2024 erschien in Le Monde « Le Bastion des Larmes », d’Abdellah Taïa : le feuilleton littéraire de Tiphaine Samoyault
« Le Bastion des Larmes », d’Abdellah Taïa, Julliard, 214 p., 21 €, numérique 14 €.
Sélectionné pour le Prix littéraire « Le Monde » 2024

RETOUR À SALÉ
Abdellah Taïa écrit avec sa vie, et ses personnages lui ressemblent. Le Youssef du _Bastion des larmes,_ son nouveau roman, est proche de l’Ahmed de _Celui qui est digne d’être aimé_ (Seuil, 2018) et du Mounir de _La Vie lente_ (Seuil, 2019). On retrouve dans tous ses livres les éléments-clés que sont la famille nombreuse, la pauvreté, l’homosexualité, l’exil, la ville de Salé, au Maroc. Pourtant, chacun d’eux est surprenant et neuf. L’écrivain est dans l’adresse, il fait cogner des voix dans une langue tantôt coupante et sèche, tantôt lyrique. Que ses livres emploient la lettre, la confession, l’interrogatoire, le monologue ou le dialogue, ils font entendre au présent, et chaque fois unique, une histoire violente, une vie explosive. Le Bastion des larmes inclut toutes ces formes et propose une synthèse éblouissante de toute l’œuvre publiée jusqu’ici.
La ville de Salé en est sans doute le ­personnage principal. Située en face de Rabat la puissante, elle est vivante et ­terrible, misérable et splendide. _« Salé la maudite. Salé la pute. Salé qui pue. Salé la prison. Salé l’enfer. Salé l’incendie permanent. Salé qui tue. Salé sans cœur. Mon Salé que j’aime malgré tout. Malgré moi. Fort. Si fort. Salé dans le sang. Dans la peau. Dans les entrailles. Ame de mon âme. »_
La ville se découvre par éclats, comme l’océan à travers les meurtrières de la grande muraille qui entoure la médina : voilà Borj Adoumoue, le « bastion des Larmes », dont le nom commémore un épisode cruel de l’histoire de la ville. En 1260, alors que les Espagnols ont commencé leur Reconquista, trente-sept navires castillans profitent de l’Aïd-el-Fitr, fêtant la fin du ramadan, pour entrer dans Salé. Pendant quinze jours, ils ­massacrent les habitants et en enlèvent plusieurs milliers pour les emmener comme esclaves à Séville. Ceux qui restent attendent leur impossible retour. _« L’histoire de la ville de Salé sera désormais marquée par cet événement. Par ce rituel. Par ce face-à-face quotidien avec l’absence. Un monologue quotidien devant la mer. Les Slaouis [habitants de Salé, en arabe] hagards, un peu fous, qui arpentent la plage, qui se parlent entre eux, qui se consolent et se séparent. »_ A la suite de ce drame, le sultan Yacoub Ben Abdelhaq ordonne la construction d’une imposante muraille et fait bâtir sur la plage une place forte, qu’il nomme « bastion des Larmes ».

Faire revivre son passé et choisir son côté
Les larmes sont une option. Une autre est la vengeance, parti que prend Najib, le premier amour de Youssef, devenu ensuite *l’amant* d’un colonel de l’armée trafiquant de drogue et qui revient à Salé punir sa famille de l’avoir rejeté. Le narrateur, lui, hésite entre les deux. Installé à Paris depuis de nombreuses années, il retourne au Maroc pour vendre le petit appartement que lui a laissé sa mère en mourant. Il y retrouve ses six sœurs et Najib, qui vient de mourir. Le temps de liquider un héritage est aussi celui de faire revivre son passé et de choisir son côté.

Qui rendre responsable des malheurs vécus dans l’enfance, la dureté de la mère, les viols à répétition du petit garçon un peu bizarre, un peu différent – tout le monde savait, personne n’a rien dit ? Se découvrir homosexuel au Maroc ((Artikel siehe unten)) sous le régime d’Hassan II (1929-1999) n’était certes pas une chose facile. C’est toujours compliqué aujourd’hui, et Abdellah Taïa, qui est un des premiers écrivains marocains, après Rachid O., à assumer son homosexualité et à en faire un sujet central de ses livres, le sait bien. A l’image de ses personnages, il se laisse habiter par les contradictions qui le frappent, comme les vagues la muraille au bord de la mer : « Des vagues éternellement dans la guerre. »
Pardonner, ne pas pardonner ? Qu’est-ce qui est juste ? La scène où la foule et un imam de service se disputent pour savoir si l’argent de la drogue ­dépensé par Najib est haram_ ou halal_ (« interdit » ou « permis »), d’un comique puissant, montre que rien ne peut être aisément tranché. Ainsi, Youssef, éloigné de ses sœurs, se rapproche d’elles à l’occasion de ce retour et renoue avec leur solidarité passée. Même si elles n’ont pas su le protéger de la violence qu’il a vécue, ­elles ont toutefois été des héroïnes de son enfance, ce qu’elles sont aussi dans ce roman (dans le réel, les sœurs d’Abdellah Taïa sont les dédicataires de son livre).
Ensemble, ils sont inoubliables. Lorsqu’elles et lui regardent enamourés Omar Sharif dans le film égyptien _Un homme dans notre maison,_ d’Henry Barakat (1961) : _« Quand Omar Sharif est apparu en noir et blanc sur l’écran de notre petite télévision, je suis entré instanta­nément dans la religion de mes sœurs »_ ; lorsqu’ils volent des fruits, des soutiens-gorge et du chocolat dans des magasins pendant que les deux aînées se laissent courtiser par le marchand ; lorsque le petit Youssef de 8 ans porte son neveu en écharpe tandis que sa sœur Kamla les conduit au mausolée de Sidi Abdellah Ben Hassoun, le saint patron de Salé, pour faire sortir la tristesse et les cris du cœur de son petit enfant. Tous ces moments splendides sont du côté du rire et des larmes, d’une douceur qui est parfois plus douloureuse que la dureté.

Tiphaine Samoyault (Ecrivaine et essayiste)


Am 20.9.2024 zum gleichen Roman Patrick Grainville in Figaro littéraire
Im Folgenden der Text erst auf Französisch
auf Englisch,
und auf Deutsch mit Korrekturen von mir -- denn Einiges stimmt nicht.

Le Bastion des larmes, d’Abdellah Taïa: le chant beau et douloureux de Youssef
Par Patrick Grainville
Publié le 20 septembre 2024 à 06h00

Figaro littéraire

Abdellah Taïa.
CRITIQUE - Un professeur exilé en France retourne au Maroc à la mort de sa mère. Là-bas l’y attendent les voix du passé. Cru et cruel. Le titre magnifique est plein de sens. Avec son antithèse du bastion belli­queux et des larmes élégiaques. L’œuvre d’Abdellah Taïa est marquée par ces deux aspects mêlés: la colère, le combat, la révolte, et le lyrisme, la nostalgie, le chant amoureux.
Au commencement, la mère est morte, mère courageuse et forte, mais dure, à la tête d’une famille de neuf enfants, Youssef, ses deux frères et six sœurs de choc! Ces sœurs ont vu la famille se défaire, les frères partir, ne plus donner de nouvelles. Elles se sont elles-mêmes chamaillées. Elles furent le paradis de l’enfance de Youssef, réputé efféminé, harcelé par les plus grands que lui, violé. Le viol est une constante de ce quartier de la belle ville marocaine de Salé, où vivent Youssef et les siens. Jusqu’au hammam où Youssef adulte intervient pour interrompre un vieillard vicieux et récidiviste qui abuse d’un gosse qui lui a été confié par la maman séparée dans le hammam des femmes. La mère exprimera le désespoir de ne pouvoir rien changer.
Youssef a connu un premier amour idyllique avec un camarade, Najib, dans une forêt calme et douce. C’est virgilien à souhait. On s’offre des poèmes. Voilà le côté suave de Taïa. Violence et volupté. Najib est devenu depuis l’amant d’un colonel de l’armée à la retraite. Il a trahi son milieu comme Karim, un frère de Youssef, comme les autres. Le regard de Taïa est acéré. Il débusque toutes les hypocrisies. Les mariages où ses sœurs si libres, si belles, vont s’enterrer dans les conventions sévères. «Les mariages au Maroc. Des combats terribles juste avec les yeux.» Cette combinaison de satire et de lyrisme, chez Taïa, est un alliage littérairement excitant, explosif.

« Le Bastion des larmes » nous plonge au cœur d’un nœud de sang, de virulence qui n’est dénoué que par les six sœurs rimbaldiennes
Najib, à la mort de son colonel, hérite de son réseau et devient le parrain bien-aimé de Salé: «Le saint pédé de Salé», déclare Najib, comme le ferait Taïa, toujours corrosif et provocant. Quand Najib décrit les crimes subis dans son enfance, on atteint un niveau de cruauté et de crudité peu fréquent chez les auteurs marocains les plus connus. Toute une société complice est dénoncée. Najib est revenu à Salé pour se venger. La vengeance est un ressort romanesque magnétique. C’est la mort de Najib, si j’ose dire, le meilleur. Un épisode truculent, imprévu, que je vous laisse découvrir. Le transgresseur Taïa n’y va pas de main morte en pourfendant ceux qu’il appelle «les faux imams». Najib mort nous réserve une surprise!
Le roman fait alterner les voix, les récits dans le dialogue des personnages, des six sœurs, de Youssef et du camarade Najib. Mais ce n’est pas aussi incantatoire que dans certains romans de Taïa ou d’autres classiques marocains. Même si Najib mort peut parler dans les rêves de Youssef. Cette liberté romanesque est merveilleuse, tout en respectant un réalisme social rigoureux.

Un nœud de sang
Toute la dernière partie est consacrée au Bastion des larmes, à un ancien rituel perdu de purification. Abdellah Taïa nous raconte l’histoire épique de Salé. Un siège suivi d’une victoire des habitants. À partir de ce jour, les gens de Salé ont coutume de venir devant la mer pour chercher leurs disparus. Ils pleurent dans ce lieu nommé le Bastion des larmes: «Des fous qui pleurent devant la mer.» Aujourd’hui, le bastion est désert. Youssef va y pleurer ses morts. Najib le lui a demandé: «Juste des larmes, Youssef, des larmes pour moi, rien d’autre. Pas de prières.» On pourrait ajouter: pas de pardon. Tel est le trait de Taïa, romancier irréductible.
Le Bastion des larmes nous plonge au cœur d’un nœud de sang, de virulence qui n’est dénoué que par les six sœurs rimbaldiennes. Souvenez-vous des Chercheuses de poux du poète, deux sœurs penchées sur la chevelure de l’enfant: «L’enfant se sent selon la lenteur des caresses/ sourdre et mourir sans cesse un désir de pleurer.» C’est pour ceux comme Taïa ou comme moi, qui ont eu des sœurs que la vie ou la mort ont éloignées des complicités fusionnelles de l’enfance. Le Bastion des larmes est le livre le plus ample, le plus dense, le plus intense et le plus émouvant d’Abdellah Taïa. Son bastion de la beauté.

Le Bastion des larmes (The Bastion of Tears) by Abdellah Taïa:
Youssef's beautiful and painful song

By Patrick Grainville
Published on 20 September 2024 at 6:00 a.m.

Figaro littéraire

Abdellah Taïa.
REVIEW - A teacher exiled in France returns to Morocco upon the death of his mother. There, the voices of the past await him. Raw and cruel. The magnificent title is full of meaning, with its antithesis of the bellicose bastion and elegiac tears. Abdellah Taïa's work is marked by these two intertwined aspects: anger, struggle, rebellion, and lyricism, nostalgia, and love songs.
At the beginning, the mother is dead, a courageous and strong mother, but harsh, at the head of a family of nine children, Youssef, his two brothers, and six formidable sisters! These sisters saw the family fall apart, the brothers leave, never to be heard from again. They themselves quarrelled. They were the paradise of Youssef's childhood, reputed to be effeminate, harassed by those older than him, raped. Rape is a constant in this neighbourhood of the beautiful Moroccan city of Salé, where Youssef and his family live. Until the hammam, where Youssef, now an adult, intervenes to stop a vicious, repeat offender who is abusing a child entrusted to him by the separated mother in the women's hammam. The mother expresses her despair at not being able to change anything.
Youssef experienced his first idyllic love with a friend, Najib, in a calm and gentle forest. It is Virgilian to perfection. They exchange poems. This is the sweet side of Taïa. Violence and sensuality. Najib has since become the lover of a retired army colonel. He has betrayed his community, like Karim, one of Youssef's brothers, and like the others. Taïa's gaze is sharp. He exposes all hypocrisy. The marriages where his sisters, so free, so beautiful, bury themselves in strict conventions. ‘Marriages in Morocco. Terrible battles fought with just the eyes.’ This combination of satire and lyricism in Taïa's work is a literarily exciting, explosive alloy.
‘Le Bastion des larmes’ plunges us into the heart of a knot of blood and virulence that is only untangled by the six Rimbaudian sisters.
When his colonel dies, Najib inherits his network and becomes the beloved godfather of Salé: ‘The holy faggot of Salé,’ declares Najib, as Taïa would, always caustic and provocative. When Najib describes the crimes he suffered in his childhood, we reach a level of cruelty and crudeness rarely seen in the most famous Moroccan authors. An entire complicit society is denounced. Najib has returned to Salé to take revenge. Revenge is a magnetic novelistic device. It is Najib's death, if I may say so, that is the best part. A colourful, unexpected episode that I will leave you to discover. The transgressor Taïa does not hold back in denouncing those he calls ‘the false imams’. Najib's death has a surprise in store for us!
The novel alternates between voices and narratives in the dialogue between the characters, the six sisters, Youssef and his friend Najib. But it is not as incantatory as in some of Taïa's novels or other Moroccan classics. Even if the dead Najib can speak in Youssef's dreams. This fictional freedom is wonderful, while respecting a rigorous social realism.

A knot of blood
The entire last part is devoted to the Bastion of Tears, an ancient lost ritual of purification. Abdellah Taïa tells us the epic story of Salé. A siege followed by a victory for the inhabitants. From that day on, the people of Salé have made it a custom to come to the sea to search for their lost ones. They weep in this place called the Bastion of Tears: ‘Madmen weeping before the sea.’ Today, the bastion is deserted. Youssef goes there to mourn his dead. Najib asked him: ‘Just tears, Youssef, tears for me, nothing else. No prayers.’ We could add: no forgiveness. Such is the trait of Taïa, an uncompromising novelist.
The Bastion of Tears plunges us into the heart of a knot of blood and virulence that is only untangled by the six Rimbaudian sisters. Remember the poet's Louse Combers, two sisters bent over the child's hair: "The child feels, according to the slowness of the caresses, a desire to cry welling up and dying away incessantly. " It is for those like Taïa or myself, who had sisters whom life or death separated from the close bonds of childhood. The Bastion of Tears is Abdellah Taïa's most expansive, dense, intense and moving book. His bastion of beauty.


Die Bastion der Tränen von Abdellah Taïa:
Youssefs schöner und schmerzhafter Gesang

Von Patrick Grainville
Veröffentlicht am 20. September 2024 um 06:00 Uhr
Figaro littéraire

Besprechung – Ein nach Frankreich ins Exil gegangener Lehrer kehrt nach dem Tod seiner Mutter nach Marokko zurück. Dort erwarten ihn die Stimmen der Vergangenheit. Roh und grausam. Der wunderschöne Titel ist voller Bedeutung. Mit seiner Antithese aus kriegerischer Bastion und elegischen Tränen. Das Werk von Abdellah Taïa ist geprägt von diesen beiden miteinander verflochtenen Aspekten: Wut, Kampf, Rebellion und Lyrik, Nostalgie, Liebesgesang.
Zu Beginn ist die Mutter gestorben, eine mutige und starke, aber strenge Mutter, die eine Familie mit neun Kindern anführte, Youssef, seine beiden Brüder und sechs beeindruckende Schwestern! Diese Schwestern sahen, wie die Familie auseinanderbrach, wie die Brüder wegzogen und sich nicht mehr meldeten. Sie selbst haben sich gestritten. Sie waren Youssefs KindheitsParadies: Youssef galt als weibisch, von den Älteren schikaniert und vergewaltigt. Vergewaltigung ist eine Konstante in diesem Viertel der schönen marokkanischen Stadt Salé, in der Youssef und seine Familie leben. Bis zum Hammam, wo der erwachsene Youssef eingreift, um einen lüsternen und rückfälligen alten Mann zu stoppen, der ein Kind missbraucht, das ihm von der sich derweil im Frauen-Hammam waschenden Mutter *anvertraut worden war*. Die Mutter drückt *ihre Verzweiflung* darüber aus, dass sie nichts daran ändern kann. ((der Achtjährige war dem Alten nicht anvertraut worden, er hat sich ihn gegraptsch, und die Mutter war auch nicht verzweifelt, sie meinte, der Junge müsse lernen, sich zu wehren.))
Youssef erlebt seine erste idyllische Liebe mit einem Kameraden, Najib, in einem ruhigen und sanften Wald. Es ist virgilisch, wie man es sich nur wünschen kann. *Sie tauschen Gedichte*. Das ist die sanfte Seite von Taïa. Gewalt und Wollust. Najib ist inzwischen der *Liebhaber* eines *pensionierten* Obersts der Armee. Er hat sein Milieu verraten, wie Karim, *ein Bruder* von Youssef, wie die anderen auch. Taïas Blick ist scharf. Er deckt jede Heuchelei auf. Die Ehen, in denen seine so freien, so schönen Schwestern sich in strenge Konventionen begraben. „*Ehen* in Marokko. Schreckliche Kämpfe nur mit den Augen.“ Diese Kombination aus Satire und Lyrik ist bei Taïa eine literarisch spannende, explosive Mischung. ((Er ist im dem Roman nicht der Liebhaber/erasstes/amant des Oberst, sondern sein Geliebter/eromenos/aimé; der Oberst war keineswegs pensioniert, sondern nutzte seine Armeeposition, um im Drogenhandel mitzumischen; es ist nicht "ein" Brüder, der Autor hat einen 12 Jahre älteren Großen Bruder und einen etwas Jüngeren Bruder ‒ die beiden gehören kaum zu selben Spezies. ‒ In dem Satz geht es nicht um "Ehen", sondern um "Hochzeiten" bei denen man sich mit Blicken tötet. Im Französischen nenutzt man für den Vertrag und die Feier das gleiche Wort.))
„Le Bastion des larmes“ versetzt uns mitten in einen Knoten aus Blut und Virulenz, der nur von den sechs rimbaudschen Schwestern gelöst werden kann.
Nach dem Tod seines Obersts *erbt* Najib dessen Netzwerk und wird zum geliebten Paten von Salé: „Der heilige Schwule von Salé“, erklärt Najib, wie es Taïa tun würde, immer bissig und provokativ. Wenn Najib die Verbrechen beschreibt, die er in seiner Kindheit erlitten hat, erreicht man ein Maß an Grausamkeit und Derbheit, das bei den bekanntesten marokkanischen Autoren selten anzutreffen ist. Eine ganze mitschuldige Gesellschaft wird angeprangert. Najib ist nach Salé zurückgekehrt, um Rache zu nehmen. Rache ist ein magnetischer Romanstoff. Najibs Tod ist der beste Teil des Romans, wenn ich so sagen darf. Eine pikante, unerwartete Episode, die ich Ihnen zu entdecken lasse. Der Rebell Taïa hält sich nicht zurück, wenn er diejenigen verurteilt, die er „die falschen Imame“ nennt. Der tote Najib hält eine Überraschung für uns bereit! ((Najib erbst nicht das Netzwerk in Tetouan, sondern baut sich ein neues in Salé auf.))

Der Roman wechselt zwischen den Stimmen und Erzählungen im Dialog der Figuren, der sechs Schwestern, Youssef und dem Kameraden Najib. Aber er ist nicht so beschwörend wie einige Romane von Taïa oder andere marokkanische Klassiker. Auch wenn der tote Najib in Youssefs Träumen sprechen kann. Diese romanhafte Freiheit ist wunderbar, während sie gleichzeitig einen strengen sozialen Realismus respektiert.

Ein Knoten aus Blut
Der gesamte letzte Teil ist der Bastion der Tränen gewidmet, einem alten, verlorenen Reinigungsritual. Abdellah Taïa erzählt uns die epische Geschichte von Salé. Eine Belagerung, gefolgt von einem Sieg der Einwohner.
Seit diesem Tag ist es Brauch, dass die Menschen von Salé, ans Meer kommen, um ihre Verstorbenen zu suchen. Sie weinen an diesem Ort, der Bastion der Tränen genannt wird: „Verrückte, die vor dem Meer weinen.“ Heute ist die Bastion verlassen. Youssef geht dorthin, um um seine Toten zu trauern. *Najib hat ihn darum gebeten:* „Nur Tränen, Youssef, Tränen für mich, sonst nichts. Keine Gebete.“ Man könnte hinzufügen: keine Vergebung. Das ist das Markenzeichen von Taïa, dem unerschütterlichen Romancier.
Die Bastion der Tränen versetzt uns mitten in einen Knoten aus Blut und Boshaftigkeit, der nur von den sechs Rimbaudschen Schwestern entwirrt werden kann. Erinnern Sie sich an Rimbauds _Les Chercheuses de poux/Die Läusesucherinnen_ die sich über das Haar des Kindes beugen: „Das Kind fühlt, im Rhythmus der Liebkosungen, unaufhörlich// Ein Verlangen aufkeimen und ersterben, zu weinen.“ Es ist für diejenigen wie Taïa oder mich, die Schwestern hatten, die durch Leben oder Tod von den engen Bindungen der Kindheit getrennt wurden. Die Bastion der Tränen ist Abdellah Taïas umfangreichstes, dichtestes, intensivstes und bewegendstes Buch. Seine Bastion der Schönheit.

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