Abdellah Taïa (*1973) 12 Romane « tellement gay »
ʿAbd Allāh aṭ-Ṭāyaʿ(8.8. 1973, Salé/ سلا / ⵙⵍⴰ) hat nach den Erzählungen Mon Maroc, 2000 zwischen 2004 und 2024 zwölf Romane veröffentlicht,
die alle um ihn kreisen, das vorletzte von neun Kindern: nach dem großen Bruder, sechs Schwestern, vor dem Jüngsten.
In den ersten heißt der Protagonist Abdellah, später kann er Ahmed oder Youssef heißen, manchmal taucht ein Freund/Kamerad, eine Tunte
als alter ego auf. Es geht immer um ihn,
doch anders als Eyet-Chébkir Djaziri, der in seinen ersten beiden Romanen ziemlich geradlinig seine Tagebücher von damals verarbeitet,
Un poisson sur la balançoire (1997)
und Une promesse de douleur et de sang (1998)
ist bei A.T. alles Literatur ‒ kein schlichtes Abbild des realen Lebens.
Die Romane spiegeln seine Realität, aber nicht 1 zu 1.
Manchmal widerspricht er sich auch.
In einem Roman will er zwar gefickt werden, ist aber mit 13 noch "Jungfrau",
in einem anderen wird er von Kindheit an gefickt: von Freunden und von der Straße
und hört mit 13 auf, sich ficken zu lassen, wofür er aufhört, arschwankelnd durch Viertel zu streifen.
Wer A.T. kennt, weiß, dass er gar nicht "wie ein Mann" gehen konnte.
In Wirklichkeit, hat er sich die Kerle vor allem dadurch vom Leib gehalten,
dass er täglich in die Moschee ging und sie wüst als Schlappschwänze, Kleinschwänze,
als Versager bei den Frauen und Schlechtficker beschimpfte.
Von einem Roman bekomme ich den Eindruck, dass er den Sex alles im Allen genoss,
auch wenn er ihm oft aufgezwungen war, dass er es genoss, die Herren zu befriedigen,
dass er ein geiles Opfer war, dass das Gefickt-Werden nicht das Problem war,
sondern die öffentliche Entehrung, wenn sie im Suff nach ihm bzw. seinem Arsch riefen,
und niemand ‒ nicht der große Bruder, nicht der Vater, nicht der Boss = die Mutter
und ‒ wie er es heute sieht ‒ auch nicht die Schwestern ihn beschützten.
In einem Roman ist er zwischen 13 und 17, wenn er sich endlich einem Schweizer auf dem Friedhof am Meer hingibt, keusch,
nach einem anderen hat er auch dann Sex ‒ wenn auch nicht mehr täglich in der Nachbarschaft.
Nach eigener Ausgabe war er, als er nach Europa kam, unpolitisch;
in späteren Romanen ist die Armut nicht mehr natürlich, sondern die Folge der Bereichung des Regimes,
der französich-sprechenden Oberschicht.
Und während es in den frühen Romanen halt so ist, dass Tunten/zmīla gefickt werden (die Fickbarkeit ist neben den tuntigen Gesten ihr Charakteristikum),
ist das in den späten Romanen ein Verbrechen, und den Opfern läuft das Blut bis auf die Zehen,
und sie werden gleich wieder gefickt, bevor sich das Loch erholen kann.
Ich habe den Eindruck (!) dass der späte, französisierte Abdellah Missbrauch sieht,
wo der frisch in Paris angekommene die natürliche Folge des sexuellen Hungers sah.
Sicher, nicht bloss ein Eindruck ist es, dass der späte Abdellah die Wörter nicht richtig versteht.
Ich räume ein, dass auch viele Experten es nicht richtig hinbekommen:
liwāṭ und ʾubnah sind nicht spiegelbildlich (Ficken und Geficktwerden), sondern unterschiedlicher Art:
das eine ist ein (evtl. einmaliges, aktuelles) Tun, das andere ist ein (ständiges) Begehren,
Ficken und Geficktwerden wollen,
während faʿil und mafʿūl bihi spiegelbildlich sind ‒ naiyik und manyūk in Syrisch (?).
Nebenbei: ʾubnah, ḥulāq und biġāʾ sind nicht genau gleich:
ʾubnah ist das krankhafte Verlangen, gefickt zu werden,
ḥulāq ist ein erotisches Jucken am After, das bewirkt, dass man gefickt werden will, um den Juckreiz zu befriedigen,
biġāʾ ist nicht so präsize, es meint Verlangen, Begehren, Wollen, bedeutet HEUTE meist Prostitution, im Mittelalter das Verlangen gefickt zu werden.
Übrigens für die meisten Orientalen pute, šarmūṭa شرموطة , zonaזונה nicht das Bezahlt werden, sondern es mit-Vielen-Tun (in der Annahme: mit-Vielen-Gern-Tun) im Zentrum.
Das wichtigste Wort in Marokko ist zāmel, pl. zmīla (auch zwaimel);
es bezeichnet den effeminierten (jungen) Mann, die fickbare Tunte; zentral ist Weibischkeit; das Geficktwerden ist "nur" eine Folge davon.
In den frühen Romanen macht A.T. eine Unterscheidung zwischen "so wie Du und ich" und "den Anderen" ‒ wobei Mädchen und Frauen außen vor bleiben.
In den letzten Romane gibt es daneben die Unterscheidung zwischen homo- und heterosexuell.
Es tauchen auch gay, pédé und miṯlī auch.
Dass da Einiges nicht stimmt, zeigt sein "tellement gay" (Bastion des larmes, chap 5): sooooooooooooooo/dermaßen schwul
‒ das geht gar nicht: Während gay-straight, homo-hetero entweder-oders sind, es kein über-schwul gibt,
gibt es das sehrwohl bei Tuntigkeit, Weibischkeit, zumālah: man kann wenig, voll, gar über-tuntig sein.
D.h. A.T. benutzt das lingua franca Wort "gay" (nicht gai) in der Bedeutung von "zāmel".
Das eine ist binär, das andere graduel.
Gewiss Marokko 2020 ist nicht identisch mit Marokko 1980: heute gibt es Teenager beider Geschlechter und eines Geschlechts die "miteinander ficken",
aber A.T. macht derlei Fehler auch in Kapiteln, die in der Vergangeheit spielen.
Er unterscheidet nicht sauber zwischen "efféminé" und "gay".
Natürlich ist er nicht der Einzige. Um 1980 habe ich einen Professor an der NYU gehört, der gay sagte, aber faggot meinte,
gewiss eine faggot (oder positiv: fairy) kann gay sein, aber die beiden gleichzusetzen, ist ‒ in meinen Augen ‒ des Teufels.
Die "Dummheit" Abdellahs geht weiter: Er sagt, dass das Gesetz die Homosexuellen verdamme, obwohl es im Gesetz nur um Akte geht.
Ich weiß, man sagt, dass ein Homosexuelle diese Akte "begehen" müsse. (Wirklich?).
Ich sehe auch eine Brücke zwischen zāmel und pédé: beide sind sie "männerliebend" ‒ wenn man von der Tuntigkeit absieht, wenn man ignoriert, dass der zāmel auch ohne seine Zustimmung gefickt wird, dann bleibt sein Begehren; und ‒ in der Tat ‒ dieses Begehren macht ihn zu einem "Homosexuellen"; Abdellahs Gleichsetzung ist also nicht ganz falsch, jedoch das Begehren des zāmels ist kein gegenseitiges wie bei Schwulen, sondern eines von einem Mann rangenommen zu werden.
ҫa se fait, ҫa ne se dit pas
Die beiden ʿAbdellah ‒ ʿOubaida geb. 1970 in Rabaṭ und aṭ-Ṭaʿia geb. 1973 in Salé ‒ geben einen Einblick in die pädophile Welt Marokkos.
ʿAbd Allāh aṭ-Ṭāyaʿ (ʿAṬ) schreibt mir, Effeminierte gebe es überall und sie würden überall gleich schlecht behandelt.
Was für ein Unsinn.
Warum sind denn so viele europ. Pädophile in Marokko.
ʿAṬ stellt in Artikel, Reden, Appellen, Gesprächen groß heraus, dass er zwischen 10 und 13 täglich vergewaltigt wurde.
Doch in seinen frühen Romanen schwiegt er dazu.
Ich habe den Eindruck, dass es ganz anders ist als die Vergewaltigungen von Gegnern. Da geht es um Erniedrigung, auch um Schmerz. Seinen Peinigern ging es um Triebabfuhr, ums Rauslassen. Sie wollten ihn ja gern wiederficken. Schon deshalb wollten sie ihm nicht wehtun. Sie glaubten wirklich, redeten sich ein, dass das ihm entspreche.
Es war eine Zwangs-Zärtlichkeit ‒ erst viele Jahre später zeichnetet es A.T. als Gewalt.
Nicht mal die GEWALT, das Nicht-Darum-Gefragt-Werden, das Überrumpeltwerden war für ihn das Schlimme, nicht der Schmerz, sondern dass sie es publik machten, dass sie (im Suff, also nicht mal mit klarer, schlechter Absicht) PUBLIK machten.
In der gleichen Phase lässt er sich von wenig älteren Freunden, älteren Verwandten ficken. Ob er den Sex genießt? Jedenfalls genießt er es, dass er sie befriedigt, dass sie ihn begehren, dass er weiß, wie er sie befriedigt.
Vielleicht bewegt er sich nicht nur tuntig, vielleicht schminken ihn seine Schwestern im stillen Kämmerlein (während die Mutter auf dem Markt ist).
Von ihren drei Zimmern bewohnt der Vater eines, der große Bruder eines, seine Mutter, sechs Schwestern, er und der kleine Bruder das dritte.
Ganz anders ʿAʿOubaida/Rachid O.: keine Mutter, ein wohlhabender liebevoller Vater. Ein Großvater und ein Freund des Vaters kitzeln ihn, streicheln ihn, tollen mit ihm im Bett rum.
Mit seinem Grundschullehrer hat er eine Beziehung. Keine Gewalt, nur Nähe, Zärtlichkeit, Begehren. Dann jahrelang eine Beziehung mit einem frz. Cooperant mit zwei Kindern.
Beide sind schön, weibisch, ʿAʿOubaida mit Babyspeck,
ʿAṬ spindeldürr überweibisch. Beide werden begehrt. ʿAʿOubaida hat Rückhalt beim Vater, hat Sicherheit, kann Nein sagen.
ʿAṬ wird weder vom Vater, dem großen Bruder, den sechs Schwestern, noch vom Familienoberhaupt, der Mutter, geschützt.
Als er mit 17 einen franz. Beschützer bekommt, ist das seine einzige Chance.
Mit beiden ʿAbellahs wird Sex gemacht, bevor sie abspritzen können.
Dass ʿAʿOubaida einmal in der Kinotoilette in eine Kabine gezerrt wird, wo der 22jährige ihn an sich presst, während er sich eine runterholt, traumatisiert ihn zwar, aber er verschweigt es uns erst, zeichnet ein zauberhaften, glückliches Bild.
ʿAṬ verschweigt uns die Einzelheiten, wohl weil es ihm peinlich ist, dass es nicht nur weh tat. Und weil das ihn-nicht-Verteidigen seiner Familie, der unmittelbaren Nachbarn ihm schwerwiegender erscheint, ihm mehr weh tat, als das lustgetriebene Vergewaltigen. Er lässt uns aber wissen, dass er lieber als "Abdellah" begehrt worden wäre als als "Laila" lieber wegen seines geilen Arsches, als wegen eines Mösen-Loches.
ʿAṬ: Mon Maroc, récit, Séguier, 2000
Le Rouge du tarbouche, roman, Séguier, 2004
L'Armée du salut, roman, Seuil, 2006
Maroc 1900-1960, un certain regard, avec Frédéric Mitterrand, Actes Sud, 2007
Une mélancolie arabe, roman, Seuil, 2008
Lettres à un jeune marocain, recueil de lettres, Seuil, 2009
‘L’Homosexualité expliquée à ma mère’, TelQuel 367.2009, pp. 20–7.
‘Le retour du maréchal Lyautey’, Actuel 47 (2010), p. 51.
Le Jour du roi, roman, Seuil, 2010 – prix de Flore
Infidèles, roman, Seuil, 2012
Taïa, Abdellah+Jason Napoli Brooks, ‘An Interview with Abdellah Taïa’, Asymptote (July 2012). http://www.asymptotejournal.com/interview/an-interview-with-abdellah-taia/
‘A Boy to Be Sacrificed’, Edward Gauvin (tr.) The New York Times (24 March 2012) http://www.nytimes.com/2012/03/25/opinion/sunday/a-boy-to-be-sacrificed.html
Un pays pour mourir, roman, Seuil, 2015
Taïa, Abdellah, ‘Personal interview with Abdellah Taïa’, in Aarhus, Denmark (8 March 2016). Interview by Tina Dransfeldt Christensen
Celui qui est digne d'être aimé , roman, Seuil, 2017
Taïa, Abdellah+ Aaron Hicklin, ‘Why Abdellah Taia Had to Die in Order to Live’, out.com (26 January 2010)
http://www.out.com/entertainment/2010/01/26/why-abdellah-taia-had-die-order-live
Taïa, Abdellah + Brian Whitaker, ‘Interview with Abdellah Taia’, al-bab.com (January 2009). http://al-bab.com/interview-abdellah-taia
Taïa, Abdellah+ Youssef Roudaby, ‘Dans son nouveau roman “Celui qui est digne d’être aimé”, Abdellah Taïa fait le bilan d’une vie tourmentée’, 2m.ma (17 January 2017)
https://www.2m.ma/fr/culture/20170117-dans-son-nouveau-roman-celui-qui-est-digne-detre-aime-abdellah-taia-fait-le-bilan-dune-vie-tourmentee/
La Vie lente, roman, Seuil, 2019, 270 pages, (ISBN 978-2-02-142183-5)[11],[12],[13] Mention spéciale du jury - Prix du roman gay 2019
Taïa, Abdellah, ‘Ma chère mère, on ne voyait pas à sa juste mesure ton combat de femme’, RTBF La Première (14 December 2019)
https://www.rtbf.be/lapremiere/article/detail_abdellah-taia-ma-chere-mere-on-ne-voyait-pas-a-sa-juste-mesure-ton-combat-de-femme?id=10388649
Vivre à ta lumière, roman, Seuil, 2022
Le bastion des larmes, roman Juillard 2024
Rachid O.
L'Enfant ébloui, Gallimard, 1995[9]
Plusieurs vies, Gallimard, 1996
Chocolat chaud, Gallimard, 1998
Ce qui reste, Gallimard, 2003
Analphabètes, Gallimard, 2013
Am 22. 8. 2024 erschien in Le Monde
« Le Bastion des Larmes », d’Abdellah Taïa : le feuilleton littéraire de Tiphaine Samoyault
« Le Bastion des Larmes », d’Abdellah Taïa, Julliard, 214 p., 21 €, numérique 14 €.
Sélectionné pour le Prix littéraire « Le Monde » 2024
RETOUR À SALÉ
Abdellah Taïa écrit avec sa vie, et ses personnages lui ressemblent. Le Youssef du _Bastion des larmes,_ son nouveau roman, est proche de l’Ahmed de _Celui qui est digne d’être aimé_ (Seuil, 2018) et du Mounir de _La Vie lente_ (Seuil, 2019). On retrouve dans tous ses livres les éléments-clés que sont la famille nombreuse, la pauvreté, l’homosexualité, l’exil, la ville de Salé, au Maroc. Pourtant, chacun d’eux est surprenant et neuf. L’écrivain est dans l’adresse, il fait cogner des voix dans une langue tantôt coupante et sèche, tantôt lyrique. Que ses livres emploient la lettre, la confession, l’interrogatoire, le monologue ou le dialogue, ils font entendre au présent, et chaque fois unique, une histoire violente, une vie explosive. Le Bastion des larmes inclut toutes ces formes et propose une synthèse éblouissante de toute l’œuvre publiée jusqu’ici.
La ville de Salé en est sans doute le personnage principal. Située en face de Rabat la puissante, elle est vivante et terrible, misérable et splendide. _« Salé la maudite. Salé la pute. Salé qui pue. Salé la prison. Salé l’enfer. Salé l’incendie permanent. Salé qui tue. Salé sans cœur. Mon Salé que j’aime malgré tout. Malgré moi. Fort. Si fort. Salé dans le sang. Dans la peau. Dans les entrailles. Ame de mon âme. »_
La ville se découvre par éclats, comme l’océan à travers les meurtrières de la grande muraille qui entoure la médina : voilà Borj Adoumoue, le « bastion des Larmes », dont le nom commémore un épisode cruel de l’histoire de la ville. En 1260, alors que les Espagnols ont commencé leur Reconquista, trente-sept navires castillans profitent de l’Aïd-el-Fitr, fêtant la fin du ramadan, pour entrer dans Salé. Pendant quinze jours, ils massacrent les habitants et en enlèvent plusieurs milliers pour les emmener comme esclaves à Séville. Ceux qui restent attendent leur impossible retour. _« L’histoire de la ville de Salé sera désormais marquée par cet événement. Par ce rituel. Par ce face-à-face quotidien avec l’absence. Un monologue quotidien devant la mer. Les Slaouis [habitants de Salé, en arabe] hagards, un peu fous, qui arpentent la plage, qui se parlent entre eux, qui se consolent et se séparent. »_ A la suite de ce drame, le sultan Yacoub Ben Abdelhaq ordonne la construction d’une imposante muraille et fait bâtir sur la plage une place forte, qu’il nomme « bastion des Larmes ».
Faire revivre son passé et choisir son côté
Les larmes sont une option. Une autre est la vengeance, parti que prend Najib, le premier amour de Youssef, devenu ensuite *l’amant* d’un colonel de l’armée trafiquant de drogue et qui revient à Salé punir sa famille de l’avoir rejeté. Le narrateur, lui, hésite entre les deux. Installé à Paris depuis de nombreuses années, il retourne au Maroc pour vendre le petit appartement que lui a laissé sa mère en mourant. Il y retrouve ses six sœurs et Najib, qui vient de mourir. Le temps de liquider un héritage est aussi celui de faire revivre son passé et de choisir son côté.
Qui rendre responsable des malheurs vécus dans l’enfance, la dureté de la mère, les viols à répétition du petit garçon un peu bizarre, un peu différent – tout le monde savait, personne n’a rien dit ? Se découvrir homosexuel au Maroc ((Artikel siehe unten)) sous le régime d’Hassan II (1929-1999) n’était certes pas une chose facile. C’est toujours compliqué aujourd’hui, et Abdellah Taïa, qui est un des premiers écrivains marocains, après Rachid O., à assumer son homosexualité et à en faire un sujet central de ses livres, le sait bien. A l’image de ses personnages, il se laisse habiter par les contradictions qui le frappent, comme les vagues la muraille au bord de la mer : « Des vagues éternellement dans la guerre. »
Pardonner, ne pas pardonner ? Qu’est-ce qui est juste ? La scène où la foule et un imam de service se disputent pour savoir si l’argent de la drogue dépensé par Najib est haram_ ou halal_ (« interdit » ou « permis »), d’un comique puissant, montre que rien ne peut être aisément tranché. Ainsi, Youssef, éloigné de ses sœurs, se rapproche d’elles à l’occasion de ce retour et renoue avec leur solidarité passée. Même si elles n’ont pas su le protéger de la violence qu’il a vécue, elles ont toutefois été des héroïnes de son enfance, ce qu’elles sont aussi dans ce roman (dans le réel, les sœurs d’Abdellah Taïa sont les dédicataires de son livre).
Ensemble, ils sont inoubliables. Lorsqu’elles et lui regardent enamourés Omar Sharif dans le film égyptien _Un homme dans notre maison,_ d’Henry Barakat (1961) : _« Quand Omar Sharif est apparu en noir et blanc sur l’écran de notre petite télévision, je suis entré instantanément dans la religion de mes sœurs »_ ; lorsqu’ils volent des fruits, des soutiens-gorge et du chocolat dans des magasins pendant que les deux aînées se laissent courtiser par le marchand ; lorsque le petit Youssef de 8 ans porte son neveu en écharpe tandis que sa sœur Kamla les conduit au mausolée de Sidi Abdellah Ben Hassoun, le saint patron de Salé, pour faire sortir la tristesse et les cris du cœur de son petit enfant. Tous ces moments splendides sont du côté du rire et des larmes, d’une douceur qui est parfois plus douloureuse que la dureté.
Tiphaine Samoyault (Ecrivaine et essayiste)
Am 20.9.2024 zum gleichen Roman Patrick Grainville in Figaro littéraire
Im Folgenden der Text erst auf Französisch
auf Englisch,
und auf Deutsch mit Korrekturen von mir -- denn Einiges stimmt nicht.
Le Bastion des larmes, d’Abdellah Taïa: le chant beau et douloureux de Youssef
Par Patrick Grainville
Publié le 20 septembre 2024 à 06h00
Figaro littéraire
Abdellah Taïa.
CRITIQUE - Un professeur exilé en France retourne au Maroc à la mort de sa mère. Là-bas l’y attendent les voix du passé. Cru et cruel.
Le titre magnifique est plein de sens. Avec son antithèse du bastion belliqueux et des larmes élégiaques. L’œuvre d’Abdellah Taïa est marquée par ces deux aspects mêlés: la colère, le combat, la révolte, et le lyrisme, la nostalgie, le chant amoureux.
Au commencement, la mère est morte, mère courageuse et forte, mais dure, à la tête d’une famille de neuf enfants, Youssef, ses deux frères et six sœurs de choc! Ces sœurs ont vu la famille se défaire, les frères partir, ne plus donner de nouvelles. Elles se sont elles-mêmes chamaillées. Elles furent le paradis de l’enfance de Youssef, réputé efféminé, harcelé par les plus grands que lui, violé. Le viol est une constante de ce quartier de la belle ville marocaine de Salé, où vivent Youssef et les siens. Jusqu’au hammam où Youssef adulte intervient pour interrompre un vieillard vicieux et récidiviste qui abuse d’un gosse qui lui a été confié par la maman séparée dans le hammam des femmes. La mère exprimera le désespoir de ne pouvoir rien changer.
Youssef a connu un premier amour idyllique avec un camarade, Najib, dans une forêt calme et douce. C’est virgilien à souhait. On s’offre des poèmes. Voilà le côté suave de Taïa. Violence et volupté. Najib est devenu depuis l’amant d’un colonel de l’armée à la retraite. Il a trahi son milieu comme Karim, un frère de Youssef, comme les autres. Le regard de Taïa est acéré. Il débusque toutes les hypocrisies. Les mariages où ses sœurs si libres, si belles, vont s’enterrer dans les conventions sévères. «Les mariages au Maroc. Des combats terribles juste avec les yeux.» Cette combinaison de satire et de lyrisme, chez Taïa, est un alliage littérairement excitant, explosif.
« Le Bastion des larmes » nous plonge au cœur d’un nœud de sang, de virulence qui n’est dénoué que par les six sœurs rimbaldiennes
Najib, à la mort de son colonel, hérite de son réseau et devient le parrain bien-aimé de Salé: «Le saint pédé de Salé», déclare Najib, comme le ferait Taïa, toujours corrosif et provocant. Quand Najib décrit les crimes subis dans son enfance, on atteint un niveau de cruauté et de crudité peu fréquent chez les auteurs marocains les plus connus. Toute une société complice est dénoncée. Najib est revenu à Salé pour se venger. La vengeance est un ressort romanesque magnétique. C’est la mort de Najib, si j’ose dire, le meilleur. Un épisode truculent, imprévu, que je vous laisse découvrir. Le transgresseur Taïa n’y va pas de main morte en pourfendant ceux qu’il appelle «les faux imams». Najib mort nous réserve une surprise!
Le roman fait alterner les voix, les récits dans le dialogue des personnages, des six sœurs, de Youssef et du camarade Najib. Mais ce n’est pas aussi incantatoire que dans certains romans de Taïa ou d’autres classiques marocains. Même si Najib mort peut parler dans les rêves de Youssef. Cette liberté romanesque est merveilleuse, tout en respectant un réalisme social rigoureux.
Un nœud de sang
Toute la dernière partie est consacrée au Bastion des larmes, à un ancien rituel perdu de purification. Abdellah Taïa nous raconte l’histoire épique de Salé. Un siège suivi d’une victoire des habitants.
À partir de ce jour, les gens de Salé ont coutume de venir devant la mer pour chercher leurs disparus. Ils pleurent dans ce lieu nommé le Bastion des larmes: «Des fous qui pleurent devant la mer.» Aujourd’hui, le bastion est désert. Youssef va y pleurer ses morts. Najib le lui a demandé: «Juste des larmes, Youssef, des larmes pour moi, rien d’autre. Pas de prières.» On pourrait ajouter: pas de pardon. Tel est le trait de Taïa, romancier irréductible.
Le Bastion des larmes nous plonge au cœur d’un nœud de sang, de virulence qui n’est dénoué que par les six sœurs rimbaldiennes. Souvenez-vous des Chercheuses de poux du poète, deux sœurs penchées sur la chevelure de l’enfant: «L’enfant se sent selon la lenteur des caresses/ sourdre et mourir sans cesse un désir de pleurer.» C’est pour ceux comme Taïa ou comme moi, qui ont eu des sœurs que la vie ou la mort ont éloignées des complicités fusionnelles de l’enfance. Le Bastion des larmes est le livre le plus ample, le plus dense, le plus intense et le plus émouvant d’Abdellah Taïa. Son bastion de la beauté.
Le Bastion des larmes (The Bastion of Tears) by Abdellah Taïa:
Youssef's beautiful and painful song
By Patrick Grainville
Published on 20 September 2024 at 6:00 a.m.
Figaro littéraire
Abdellah Taïa.
REVIEW - A teacher exiled in France returns to Morocco upon the death of his mother. There, the voices of the past await him. Raw and cruel.
The magnificent title is full of meaning, with its antithesis of the bellicose bastion and elegiac tears. Abdellah Taïa's work is marked by these two intertwined aspects: anger, struggle, rebellion, and lyricism, nostalgia, and love songs.
At the beginning, the mother is dead, a courageous and strong mother, but harsh, at the head of a family of nine children, Youssef, his two brothers, and six formidable sisters! These sisters saw the family fall apart, the brothers leave, never to be heard from again. They themselves quarrelled. They were the paradise of Youssef's childhood, reputed to be effeminate, harassed by those older than him, raped. Rape is a constant in this neighbourhood of the beautiful Moroccan city of Salé, where Youssef and his family live. Until the hammam, where Youssef, now an adult, intervenes to stop a vicious, repeat offender who is abusing a child entrusted to him by the separated mother in the women's hammam. The mother expresses her despair at not being able to change anything.
Youssef experienced his first idyllic love with a friend, Najib, in a calm and gentle forest. It is Virgilian to perfection. They exchange poems. This is the sweet side of Taïa. Violence and sensuality. Najib has since become the lover of a retired army colonel. He has betrayed his community, like Karim, one of Youssef's brothers, and like the others. Taïa's gaze is sharp. He exposes all hypocrisy. The marriages where his sisters, so free, so beautiful, bury themselves in strict conventions. ‘Marriages in Morocco. Terrible battles fought with just the eyes.’ This combination of satire and lyricism in Taïa's work is a literarily exciting, explosive alloy.
‘Le Bastion des larmes’ plunges us into the heart of a knot of blood and virulence that is only untangled by the six Rimbaudian sisters.
When his colonel dies, Najib inherits his network and becomes the beloved godfather of Salé: ‘The holy faggot of Salé,’ declares Najib, as Taïa would, always caustic and provocative. When Najib describes the crimes he suffered in his childhood, we reach a level of cruelty and crudeness rarely seen in the most famous Moroccan authors. An entire complicit society is denounced. Najib has returned to Salé to take revenge. Revenge is a magnetic novelistic device. It is Najib's death, if I may say so, that is the best part. A colourful, unexpected episode that I will leave you to discover. The transgressor Taïa does not hold back in denouncing those he calls ‘the false imams’. Najib's death has a surprise in store for us!
The novel alternates between voices and narratives in the dialogue between the characters, the six sisters, Youssef and his friend Najib. But it is not as incantatory as in some of Taïa's novels or other Moroccan classics. Even if the dead Najib can speak in Youssef's dreams. This fictional freedom is wonderful, while respecting a rigorous social realism.
A knot of blood
The entire last part is devoted to the Bastion of Tears, an ancient lost ritual of purification. Abdellah Taïa tells us the epic story of Salé. A siege followed by a victory for the inhabitants.
From that day on, the people of Salé have made it a custom to come to the sea to search for their lost ones. They weep in this place called the Bastion of Tears: ‘Madmen weeping before the sea.’ Today, the bastion is deserted. Youssef goes there to mourn his dead. Najib asked him: ‘Just tears, Youssef, tears for me, nothing else. No prayers.’ We could add: no forgiveness. Such is the trait of Taïa, an uncompromising novelist.
The Bastion of Tears plunges us into the heart of a knot of blood and virulence that is only untangled by the six Rimbaudian sisters. Remember the poet's Louse Combers, two sisters bent over the child's hair: "The child feels, according to the slowness of the caresses, a desire to cry welling up and dying away incessantly. " It is for those like Taïa or myself, who had sisters whom life or death separated from the close bonds of childhood. The Bastion of Tears is Abdellah Taïa's most expansive, dense, intense and moving book. His bastion of beauty.
Die Bastion der Tränen von Abdellah Taïa:Youssefs schöner und schmerzhafter Gesang
Von Patrick Grainville
Veröffentlicht am 20. September 2024 um 06:00 Uhr
Figaro littéraire
Besprechung – Ein nach Frankreich ins Exil gegangener Lehrer kehrt nach dem Tod seiner Mutter nach Marokko zurück. Dort erwarten ihn die Stimmen der Vergangenheit. Roh und grausam.
Der wunderschöne Titel ist voller Bedeutung. Mit seiner Antithese aus kriegerischer Bastion und elegischen Tränen. Das Werk von Abdellah Taïa ist geprägt von diesen beiden miteinander verflochtenen Aspekten: Wut, Kampf, Rebellion und Lyrik, Nostalgie, Liebesgesang.
Zu Beginn ist die Mutter gestorben, eine mutige und starke, aber strenge Mutter, die eine Familie mit neun Kindern anführte, Youssef, seine beiden Brüder und sechs beeindruckende Schwestern! Diese Schwestern sahen, wie die Familie auseinanderbrach, wie die Brüder wegzogen und sich nicht mehr meldeten. Sie selbst haben sich gestritten. Sie waren Youssefs KindheitsParadies: Youssef galt als weibisch, von den Älteren schikaniert und vergewaltigt. Vergewaltigung ist eine Konstante in diesem Viertel der schönen marokkanischen Stadt Salé, in der Youssef und seine Familie leben. Bis zum Hammam, wo der erwachsene Youssef eingreift, um einen lüsternen und rückfälligen alten Mann zu stoppen, der ein Kind missbraucht, das ihm von der sich derweil im Frauen-Hammam waschenden Mutter *anvertraut worden war*. Die Mutter drückt *ihre Verzweiflung* darüber aus, dass sie nichts daran ändern kann. ((der Achtjährige war dem Alten nicht anvertraut worden, er hat sich ihn gegraptsch, und die Mutter war auch nicht verzweifelt, sie meinte, der Junge müsse lernen, sich zu wehren.))
Youssef erlebt seine erste idyllische Liebe mit einem Kameraden, Najib, in einem ruhigen und sanften Wald. Es ist virgilisch, wie man es sich nur wünschen kann. *Sie tauschen Gedichte*. Das ist die sanfte Seite von Taïa. Gewalt und Wollust. Najib ist inzwischen der *Liebhaber* eines *pensionierten* Obersts der Armee. Er hat sein Milieu verraten, wie Karim, *ein Bruder* von Youssef, wie die anderen auch. Taïas Blick ist scharf. Er deckt jede Heuchelei auf. Die Ehen, in denen seine so freien, so schönen Schwestern sich in strenge Konventionen begraben. „*Ehen* in Marokko. Schreckliche Kämpfe nur mit den Augen.“ Diese Kombination aus Satire und Lyrik ist bei Taïa eine literarisch spannende, explosive Mischung. ((Er ist im dem Roman nicht der Liebhaber/erasstes/amant des Oberst, sondern sein Geliebter/eromenos/aimé; der Oberst war keineswegs pensioniert, sondern nutzte seine Armeeposition, um im Drogenhandel mitzumischen; es ist nicht "ein" Brüder, der Autor hat einen 12 Jahre älteren Großen Bruder und einen etwas Jüngeren Bruder ‒ die beiden gehören kaum zu selben Spezies. ‒ In dem Satz geht es nicht um "Ehen", sondern um "Hochzeiten" bei denen man sich mit Blicken tötet. Im Französischen nenutzt man für den Vertrag und die Feier das gleiche Wort.))
„Le Bastion des larmes“ versetzt uns mitten in einen Knoten aus Blut und Virulenz, der nur von den sechs rimbaudschen Schwestern gelöst werden kann.
Nach dem Tod seines Obersts *erbt* Najib dessen Netzwerk und wird zum geliebten Paten von Salé: „Der heilige Schwule von Salé“, erklärt Najib, wie es Taïa tun würde, immer bissig und provokativ. Wenn Najib die Verbrechen beschreibt, die er in seiner Kindheit erlitten hat, erreicht man ein Maß an Grausamkeit und Derbheit, das bei den bekanntesten marokkanischen Autoren selten anzutreffen ist. Eine ganze mitschuldige Gesellschaft wird angeprangert. Najib ist nach Salé zurückgekehrt, um Rache zu nehmen. Rache ist ein magnetischer Romanstoff. Najibs Tod ist der beste Teil des Romans, wenn ich so sagen darf. Eine pikante, unerwartete Episode, die ich Ihnen zu entdecken lasse. Der Rebell Taïa hält sich nicht zurück, wenn er diejenigen verurteilt, die er „die falschen Imame“ nennt. Der tote Najib hält eine Überraschung für uns bereit! ((Najib erbst nicht das Netzwerk in Tetouan, sondern baut sich ein neues in Salé auf.))
Der Roman wechselt zwischen den Stimmen und Erzählungen im Dialog der Figuren, der sechs Schwestern, Youssef und dem Kameraden Najib. Aber er ist nicht so beschwörend wie einige Romane von Taïa oder andere marokkanische Klassiker. Auch wenn der tote Najib in Youssefs Träumen sprechen kann. Diese romanhafte Freiheit ist wunderbar, während sie gleichzeitig einen strengen sozialen Realismus respektiert.
Ein Knoten aus Blut
Der gesamte letzte Teil ist der Bastion der Tränen gewidmet, einem alten, verlorenen Reinigungsritual. Abdellah Taïa erzählt uns die epische Geschichte von Salé. Eine Belagerung, gefolgt von einem Sieg der Einwohner.
Seit diesem Tag ist es Brauch, dass die Menschen von Salé, ans Meer kommen, um ihre Verstorbenen zu suchen. Sie weinen an diesem Ort, der Bastion der Tränen genannt wird: „Verrückte, die vor dem Meer weinen.“ Heute ist die Bastion verlassen. Youssef geht dorthin, um um seine Toten zu trauern. *Najib hat ihn darum gebeten:* „Nur Tränen, Youssef, Tränen für mich, sonst nichts. Keine Gebete.“ Man könnte hinzufügen: keine Vergebung. Das ist das Markenzeichen von Taïa, dem unerschütterlichen Romancier.
Die Bastion der Tränen versetzt uns mitten in einen Knoten aus Blut und Boshaftigkeit, der nur von den sechs Rimbaudschen Schwestern entwirrt werden kann. Erinnern Sie sich an Rimbauds _Les Chercheuses de poux/Die Läusesucherinnen_ die sich über das Haar des Kindes beugen: „Das Kind fühlt, im Rhythmus der Liebkosungen, unaufhörlich// Ein Verlangen aufkeimen und ersterben, zu weinen.“ Es ist für diejenigen wie Taïa oder mich, die Schwestern hatten, die durch Leben oder Tod von den engen Bindungen der Kindheit getrennt wurden. Die Bastion der Tränen ist Abdellah Taïas umfangreichstes, dichtestes, intensivstes und bewegendstes Buch. Seine Bastion der Schönheit.
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Labels: Abdellah Taïa, Eyet-Chébkir Djaziri, Rachid O.










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